Das 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge: So funktioniert’s

verfasst von
verfasst von

Carlos Link-Arad
Gründer von Beyond Saving

3-säulen-der-altersvorsorge-hero
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on whatsapp

Jeder Fünfte über 65 Jahren ist armutsgefährdet.

Das ist ein Anstieg von ca. 62 % seit 2006. Die gesetzliche Altersvorsorge stößt damit nach und nach an ihre Grenzen und wir müssen uns alle fragen:

„Wie minimiere ich meine Rentenlücke?“

Altersvorsorge ist ein kompliziertes Thema. Zumindest erscheint es auf den ersten Blick so, wenn wir uns mit dem Punktesystem der Deutschen Rentenversicherung beschäftigen.

Am Ende des Tages ist die Problematik sehr leicht zu erklären:

Wir gehen ca. 40 Jahre lang arbeiten, zahlen monatlich unsere Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und erhalten nach Abschluss des Berufslebens monatlich unsere Rentenzahlung.

Das Problem: Das sogenannte Rentenniveau.

Das Rentenniveau sagt aus, in welchem Verhältnis die Rentenzahlung zum erzielten Lohn steht. Liegt das Rentenniveau zum Beispiel bei 50 Prozent, können Arbeitnehmer davon ausgehen, dass sie bei vollen Beitragsjahren 50 Prozent ihres einstigen Nettolohns vor Steuern als Rente erhalten.

Bis 2030 wird mit einer Reduzierung des Rentenniveaus auf 40 % gerechnet.

Bedeutet im Klartext: Angenommen du verdienst aktuell 2.591€ Netto, dann kannst du mit einer monatlichen Nettorente von 1.036€ rechnen.

Und hier liegt das große Problem.

rentenlücke-berechnen-infografik
Private Vorsorge wird aufgrund des Umstellung der Besteuerung von Renten, sowie des sinkenden Rentenniveaus immer wichtiger.

Alle Ausgaben, die wir heute mit unserem Einkommen decken, müssen wir im Alter mit einem Bruchteil decken können. In den meisten Fällen ist das unmöglich.

Aus dem Grund müssen wir uns mit Altersvorsorge beschäftigen.

In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, deine Altersversorgung zu planen und zu verbessern.

Wir werden uns am sogenannten 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge orientieren, das Altersvorsorge in drei Ebenen unterteilt.

Warum es sie gibt und welche es sind, erfährst du jetzt.

Inhaltsverzeichnis

Warum gibt es das 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge?

Mit der Einführung des 3-Säulen-Modells reagierte die Bundesregierung auf die Tatsache, dass immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen.

Galt es davor, allein mit der gesetzlichen Rente den bisherigen Lebensstandard zu sichern, so stand nun verstärkt die Beitragsstabilität im Mittelpunkt, um nicht mit zu hohen Lohnnebenkosten Arbeitsplätze zu gefährden.

Gleichzeitig wurde umgesteuert vom Umlageverfahren hin zum Kapitaldeckungsverfahren. Neben der gesetzlichen Rente, die lediglich zur Absicherung der Basisversorgung dient, wurden der Altersvorsorge zwei weitere Säulen hinzugefügt.

Um im Rentenalter den Lebensstandard zu halten, sollten sich Arbeitnehmer zusätzlich absichern durch eine betriebliche und eine private Altersvorsorge.

3-Säulen-Modell-der-Altersvorsorge-grafik
Gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge ergänzen sich.

Starte mit einer Bestandsaufnahme

Lass uns zunächst einmal mit dem wichtigsten Punkt starten: einer Bestandsaufnahme.

Wichtig ist, dass du herausfindest, wie viel Rente du voraussichtlich einmal aus deiner Pflichtabsicherung erhalten wirst – also abhängig von der Berufsgruppe aus der gesetzlichen Rente oder aus dem berufsständischen Versorgungswerk.

Schau dazu einmal auf deine jährliche Renteninformation und schätze dann ab, was fehlt.

Alternativ kannst mit diesem Rechner deine voraussichtliche Rentenlücke bestimmen (Die Berechnungen sind von zahlreichen Variablen abhängig. Es handelt sich um reine Schätzwerte).

Gesetzliche Rentenversicherung

Die meisten Angestellten sind im staatlichen Rentensystem pflichtversichert.

Darüber hinaus umfasst die Pflichtversicherung auch einige selbstständige Berufe, die als schutzbedürftig gelten, etwa viele Handwerksberufe, Fahrlehrer, Fitnesstrainer, aber auch Erzieher, selbstständige Lehrer, Hebammen oder Physiotherapeuten.

Die gesetzliche Rente wird voraussichtlich immer weniger zum Einkommen im Alter beitragen.

Denn: der demografische Wandel sorgt dafür, dass die Gesellschaft in Deutschland immer älter wird. Das führt dazu, dass künftig immer weniger Erwerbstätige mit ihren Beiträgen immer mehr Renten finanzieren müssen.

Die Folge: Das Rentenniveau sinkt.

Berufsständische Versorgungswerke

Freiberufler, die in sogenannten Kammerberufen arbeiten, sind dort pflichtversichert.

Zu der Gruppe zählen klassischerweise niedergelassene Ärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und einige mehr.

Anders als bei der gesetzlichen Rentenversicherung legen Versorgungswerke die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an – dabei zahlt jeder Versicherte für seine eigene Rente ein.

Dennoch müssen auch Freiberufler damit rechnen, dass sie künftig weniger Rente aus den Versorgungswerken beziehen.

Die anhaltenden Niedrigzinsen drücken mittlerweile auf die Erträge. So fällt es den Anbietern immer schwerer, das Rentenniveau für ihre Mitglieder zu sichern.

Keine verpflichtende Basisabsicherung

Hierunter fallen Selbstständige, die weder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, noch Mitglied in einem Versorgungswerk sind. Sie müssen sich komplett selbst um ihre Rente kümmern und sollten sich in jedem Fall damit befassen, welche Alternativen es gibt.

Gesetzliche Pension

Sie ist die klassische Altersversorgung für alle, die im öffentlich-rechtlichen Dienst arbeiten, also etwa Beamte, Richter, Berufssoldaten oder Pfarrer.

Die Altersbezüge, für die Bund oder Länder aufkommen, sind in der Regel höher als die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente.

Die 3 Säulen der Altersvorsorge

Das System der Altersvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland setzt sich aus drei unterschiedlichen Säulen zusammen:

  • Basisvorsorge (insb. gesetzliche Rentenversicherung)
  • Geförderte Zusatzvorsorge
  • Private, ungeförderte Zusatzvorsorge

Die erste Säule der Altersvorsorge

Die erste Säule umfasst die Vorsorgelösungen, die im Rentenalter die Basisversorgung darstellen sollen. Dazu gehört die gesetzliche Rentenversicherung für Angestellte und pflichtversicherte Selbstständige.

Neben der gesetzlichen Rente für Arbeitnehmer zählen zu dieser Säule auch die Alterssicherung der Landwirte, die Beamtenversorgung sowie die berufsständischen Versorgungswerke für freie Berufe (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Steuerberater, Apotheker). Auch die Rürup-Rente wird dieser Säule zugerechnet, da sie für Selbstständige als lebenslange „Leibrente“ quasi das Pendant zur gesetzlichen Rente für Angestellte darstellt.

Die erste Säule stellt häufig den größten Teil der späteren Rentenzahlungen dar, wird aber – insbesondere für die Altersgruppe der „Millenials“ – aufgrund des sinkenden Rentenniveaus immer weniger ausreichen, um den finanziellen Bedarf im Alter zu decken. Daher ist diese auch nur als Grundversorgung zu verstehen, die durch weitere Vorsorgemaßnahmen ergänzt werden muss.

Die zweite Säule der Altersvorsorge

Zur zweiten Säule gehören geförderte Vorsorgeverträge. Insbesondere werden die staatlich geförderte Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge dieser Säule zugeordnet. Die Riester-Rente wird einerseits durch staatliche Zulagen, andererseits durch die steuerliche Absetzbarkeit der Vorsorgebeiträge gefördert.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge besteht die Förderung darin, dass Beiträge in der Einzahlungsphase von der Steuer und den Sozialabgaben befreit sind. Dein Arbeitgeber entscheidet über die Durchführungsvariante und eine mögliche Bezuschussung.

Die häufigste Variante ist die Direktversicherung. Um vielen Bürgern die Nutzung dieses Systems zu ermöglichen, hat der Gesetzgeber einen Rechtsanspruch auf die betriebliche Altersversorgung eingeführt. Bestimmte Produkte werden gefördert. Ein Arbeitgeber muss seinen Angestellten eine betriebliche Altersversorgung anbieten, ist aber nicht verpflichtet, diese anteilig oder vollständig zu übernehmen.

Die dritte Säule der Altersvorsorge

In die dritte Säule fallen alle privaten Vorsorgeverträge ohne besondere Förderung, also klassische oder fondsgebundene private Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen.

Die Beiträge für solche Sparformen zahlen Verbraucher aus ihrem Nettogehalt – das heißt, sie haben bereits Einkommensteuer auf die Beiträge abgeführt.

Als Ausgleich dafür zahlen Sparer in der Ansparphase keine Steuern auf Dividenden- oder Zinserträge. Und auch die späteren Renten sind nur geringfügig besteuert, nämlich mit dem sogenannten Ertragsanteil. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wie alt jemand ist, wenn er die Rente bezieht.

Wer etwa mit 65 Jahren in die Rentenphase wechselt, muss 18 Prozent der ausgezahlten Rente versteuern. Die Tabelle zum Ertragsanteil findest du im Paragraf 22 des Einkommensteuergesetzes. Wer sich das angesparte Kapital auf einmal auszahlen lassen möchte, bezahlt den persönlichen Einkommensteuersatz auf die Hälfte der Summe.

Die (vierte) inoffizielle Säule der Altersvorsorge

Über die offiziellen drei Säulen hinaus können sich Sparer auch überlegen, flexibel – also ohne eine Lebens- oder Rentenversicherung – anzusparen, in der von uns sogenannten Säule 4. Das geht zum Beispiel mit einem Sparplan auf börsengehandelte Aktien-Indexfonds (ETF-Sparplan).

Dabei fließen monatlich geringe Raten von 50 Euro oder 100 Euro in einen kostengünstigen Aktien-Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF). Alternativ können Sparer auch einmalig einen größeren Betrag in einen Aktienfonds oder ETF anlegen.

Wichtig dabei ist, auf passives Investieren zu setzen und ein Portfolio aufzubauen, das breit in unterschiedliche Länder, Branchen und Währungen gestreut ist. Dann gleichen sich Schwankungen an den Börsen eher aus und die Chance auf eine positive Rendite nimmt zu.

Wer Geld flexibel anlegt, kommt nicht in den Genuss spezieller steuerlicher Vorteile.

Beiträge in ETFs beispielsweise bezahlt der Sparer aus dem bereits besteuerten Nettoeinkommen. Zins- oder Dividendeneinnahmen und spätere Verkaufserlöse muss er dann erneut mit dem Abgeltungsteuersatz besteuern.

Wie findest du die beste Lösung für dich?

Was haben wir bisher gelernt?

  1. Du startest mit einer Bestandsaufnahme und findest heraus, wie hoch deine voraussichtliche Rente sein wird.
  2. Im nächsten Schritt machst du dir einen Überblick über deine Ausgaben und leitest daraus ab, wie viel Einkommen du im Alter brauchst.
  3. Zum Schluss machst du dir einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zur Altersvorsorge und entscheidest dich für eine.

Die Zuordnung zu den drei klassischen Säulen ermöglicht eine erste Orientierung und eine Einordnung der verschiedenen Vorsorgevarianten in ein Gesamtsystem. Bevor du dich für ein Produkt entscheidest, solltest du dich ausführlich über die Bedingungen und Besonderheiten der jeweiligen Produkte informieren.

Wichtig ist, dass du deine Altersvorsorge gesamthaft planst und an deinen individuellen Zielen, Plänen und Wünschen ausrichtest. Nimm dir Zeit mit der Entscheidung insb. für die Produkte mit langer Vertragsbindung, um keine teuren Fehler zu begehen.

Neben den drei offiziellen Säulen gibt es auch flexiblere Möglichkeiten, Geld für dein Alter anzusparen. Eine aus meiner Sicht empfehlenswerte Variante hierfür ist ein ETF-Sparplan, mit dem du in börsengehandelte (Aktien-)Indexfonds investieren kannst. Nennen wir diese Variante doch einfach inoffiziell „Säule 4“.

Also was tun?

Am meisten richtig und am wenigsten falsch machst du im Bereich der Vermögensbildung und Altersvorsorge meiner Meinung nach mit einem Sparplan in börsengehandelte Indexfonds / „Exchange Traded Funds“ (ETF).

Hierfür solltest Du einen oder mehrere ETFs wählen, die viele Aktien aus unterschiedlichen Ländern und Branchen beinhalten. Du bewegst dich damit in der ergänzenden (inoffiziellen) Säule 4, die das Potenzial hat, zur tragenden Säule deiner Altersvorsorge zu werden.

Lerne in unserem neuesten Artikel, wie du dir in wenigen Schritten ein ETF Portfolio aufbauen kannst.

Wichtig ist, dass du einen langfristigen Anlagehorizont hast, um zwischenzeitliche Kursschwankungen „aussitzen“ zu können. Darüber hinaus musst du in der Lage sein, derartige Schwankungen auch auszuhalten, ohne dich unwohl zu fühlen.

Je nach deiner persönlichen „Risikotoleranz“ solltest du den Aktienanteil variieren. Je risikobereiter du bist, desto höher kann dein Aktienanteil sein.

Zusammenfassung

In Deutschland werden drei Säulen (oder Schichten) der Altersvorsorge unterschieden.

  • Die erste Säule deckt die Basisvorsorge ab: Dazu zählen die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungswerke und die Rürup-Rente.
  • Die zweite Säule umfasst die geförderte Vorsorge. Dazu zählen Verträge der betrieblichen Altersvorsorge und Riester-Verträge. Sie richtet sich vor allem an Arbeitnehmer.
  • Die dritte Säule meint die ungeförderte Vorsorge, also etwa private Lebens- oder Rentenversicherungen. Darüber hinaus lässt sich auch mit Fondssparplänen privat vorsorgen.

Die Basisabsicherung wird im Alter nicht reichen, um den eigenen Lebensstandard halten zu können.

Aus dem Grund solltest du dich frühzeitig (am besten direkt nach dem Berufseinstieg) um den Aufbau eines privaten Polsters kümmern.

Ein breit gestreutes ETF Portfolio ist das Wundermittel für Anleger, die Vermögen aufbauen möchten, ohne viel Arbeit zu investieren. Einfach Depot eröffnen, ETFs kaufen und Sparplan einrichten.

Das war’s.

Die häufigsten Fragen rund um deine Rente

Die Höhe der Rente hängt ganz davon ab, wie viel und wie lange man eingezahlt hat. Je mehr man also eingezahlt hat, desto größer ist im Ruhestand auch die Rente. Als Grundlage für die Berechnung der Rente gilt die Rentenformel: Die monatliche Rente berechnet sich aus einem Produkt der gesammelten Entgeltpunkte, des Zugangsfaktors, dem aktuellen Rentenwert sowie dem Rentenartfaktor. Ein Entgeltpunkt hat momentan den Wert von 28,61 Euro in Westdeutschland, 26,39 Euro in Ostdeutschland. Er wird jedes Jahr neu festgelegt.

Was viele Rentner nicht bedenken: Sie müssen auch Sozialabgaben zahlen – und das drückt die Renten. Etwa zehn Prozent gehen durch die Sozialabgaben von der gesetzlichen Rente jeden Monat verloren (8,2  Prozent Krankenversicherung, zwei Prozent Pflegeversicherung). Bei der Betriebsrente sind die Abzüge höher. Hier wird der volle Beitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 15,5 Prozent fällig. Um Kosten zu sparen, sollten Rentner Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse der Rentner (KVdR) werden.

Seit dem 1. Januar 2005 werden die Ausgaben für die Rentenvorsorge zunehmend steuerfrei. Allerdings müssen dafür im späteren Ruhestand Steuern auf die Renteneinnahmen gezahlt werden . Der Rentenfreibetrag richtet sich nach der Höhe der Bruttorente und dem Jahr des Renteneintritts. Für das Jahr 2014 liegt dieser Wert bei 68 Prozent. Der Prozentsatz des Rentenfreibetrags sinkt jährlich um zwei Prozent, ab 2020 nur noch um einen. Damit steigt der zu versteuernde Teil um dieselben Sätze jährlich an. Ab dem Jahr 2040 muss damit die komplette Rente versteuert werden. Nach Schätzungen zahlen aber bisher fast Dreiviertel aller Rentner keine Steuern. Es kann passieren, dass diese Rentner im Laufe der Zeit aber durch Rentenanpassungen doch noch zur Kasse gebeten werden.

Die gesetzliche Rente in Deutschland ist umlagefinanziert. Das heißt: Wer momentan arbeitet, zahlt in die Rentenkasse ein - und wer Rentner ist, bekommt die dort eingezahlten Beiträge direkt als Rente. Deshalb ist die sinkende Geburtenzahl auch so problematisch: Wenn immer weniger Kinder geboren werden, müssen diese irgendwann einmal mehr Rentner finanzieren, als die Arbeitnehmer heute.

Die Renten- oder auch Versorgungslücke ist die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und dem Betrag, den man braucht, um seinen Lebensstandard nicht zu verringern. Da das Rentenniveau seit Jahren kontinuierlich sinkt, werden künftig wohl die wenigsten ihren Lebensunterhalt allein mit der gesetzlichen Altersrente bestreiten können und sollten deshalb zusätzlich privat vorsorgen.

Nach einer Prognose der Bundesregierung wird das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent heruntergehen. Das heißt, dass Neu-Rentner nur noch 43 Prozent des dann gezahlten Durchschnittslohns zur Verfügung haben werden. 1990 waren es noch 55 Prozent, 2014 bereits nur noch 48 Prozent. Im Internet gibt es Rechner, mit denen man seine eigene Rentenlücke herausfinden kann.

Deutschland wird immer älter – mit Folgen für die Rentenversicherung. Das Renteneintrittsalter wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt heraufgesetzt. Arbeitnehmer, die vor dem Jahr 1947 geboren wurden, konnten noch mit 65 Jahren in Rente gehen. Jedes spätere Geburtsjahr verlängert die Lebensarbeitszeit um einen Monat, jetzt sogar um zwei Monate. Ab Jahrgang 1967 gilt das Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Mit Eintritt in das gesetzlich vorgesehene Rentenalter wird die Regelaltersrente ohne Abzüge gezahlt. Voraussetzung ist eine Mindestwartezeit von 5 Jahren.

Ein früherer Renteneintritt ist in der gesetzlichen Rentenversicherung nur möglich, nachdem 35 Jahre Wartezeit eingehalten worden sind. Das ist mit dem 63. Lebensjahr möglich, allerdings müssen die Rentner finanzielle Einbußen hinnehmen. Für jeden Monat, den der Arbeitnehmer früher in Rente geht, wird ein Abschlag von 0,3 Prozent von der jeweils für diesen Zeitpunkt zu erwartenden Rente vorgenommen. Liegt das Renteneintrittsalter also bei 67 Jahren und man möchte bereits mit 65 Jahren berentet werden, so erhält er jeden Monat 24 × 0,3 Prozent – also 7,2 Prozent weniger Rente als zu diesem Zeitpunkt zu erwarten wäre. Es mindern sich auch seine Rentenbezüge, weil er keine Entgeltpunkte mehr bis zum Erreichen des Regeleintrittalters erwirbt.

Besondere Regelungen für den Renteneintritt gibt es z.B. für Schwerbehinderte mit einem Behindertengrad von mehr als 50 Prozent. Wenn sie 35 Jahre Wartezeit erfüllt haben, können sie mit 65 Jahren in Rente gehen. Bereits drei Jahre früher, also nach ihrem 63. Geburtstag, können sie frühzeitig verrentet werden – dann allerdings mit Abschlägen. Auch für Menschen, die im Bergbau tätig waren, gibt es Ausnahmen. Für unter Tage arbeitende Lohnempfänger gilt ein Renteneintrittsalter von 62 Jahren, allerdings müssen sie eine Wartezeit von 25 Jahren vorweisen können.

Bei der Ermittlung der Wartezeit werden die Zeiten für die Ausbildung und den Wehrdienst berücksichtigt. Auch Kindererziehungszeiten werden angerechnet. Zeiten der Arbeitslosigkeiten zählen ebenfalls für die Rente, wenn Anspruch auf Arbeitslosengeld bestand. Nicht anerkannt werden dagegen Zeiten für ein Hoch- oder Fachhochschulstudium.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.