4-Prozent-Regel: Wie viel brauchst du für die Rente? (+Rechner)

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Carlos | | 5 Minuten

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Früher in Rente gehen? Diesen Traum haben viele. Die 4-Prozent-Regel bietet dir eine gute Einschätzung für den Geldbetrag, der dafür notwendig sein wird.

Kennst du die FIRE-Bewegung aus den USA? Die Bewegung ist angeführt von Millennials und steht für Financial Independence, Retire Early. Dahinter steckt der Wunsch, sich frühzeitig aus dem Arbeitsleben zu verabschieden.

Auch für mich steht fest: Mit 49 ist spätestens Schluss. Danach soll noch einmal eine lange Phase mit Abenteuern und Reisen starten. Die Frage, die sich jetzt viele aus unserer Community gestellt haben ist, wie viel Geld man für diesen Lebensstil braucht.

Vielleicht eine halbe Million? Oder fünf Millionen? Lass uns mal auf die 4-Prozent-Regel schauen.

Inhaltsverzeichnis

Wie hoch ist dein Finanzbedarf?

Frühzeitig in Rente zu gehen erfordert Planung. Eine wichtige Zahl, die du kennen solltest, sind deine monatlichen Lebenshaltungskosten bzw. dein monatlicher Finanzbedarf. Auf dieser Basis kannst du nämlich das notwendige Kapital für deinen Ausstieg berechnen.

Hier kommt die 4-Prozent-Regel ins Spiel. Diese wurde im Rahmen der sog. Trinity-Studie (Texas) im Jahr 1998 entwickelt. Dort haben Forscher ein fiktives Vermögen zur Hälfte in US-Aktien und zur Hälfte in Anleihen investiert und jährlich 4 Prozent entnommen. Ihre Ergebnisse zeigten, dass das Vermögen auch im schlechtesten Szenario des 20. Jahrhunderts für mindestens 30 Jahre gereicht hätte.

Wichtiger Hinweis: Die Simulationen wurden für den Zeitraum zwischen 1925 und 1995 durchgeführt.

Finanzbedarf mit Haushaltsbuch tracken

Wie hoch ist dein monatlicher Finanzbedarf? Nutze unsere kostenlose Excel Haushaltsbuch Vorlage, um diesen Wert zu bestimmen. Je genauer du rechnest, desto besser kannst du deinen Ruhestand planen.

Denk dran, dass im Alter weitere Kosten für Gesundheit und Pflege dazu kommen werden. Auch der finanzielle Mehraufwand für Kinder sollte nicht unterschätzt werden. Bis zum 18. Lebensjahr kostet ein Kind bis zu 150.000 Euro.

Angenommen du hast einen monatlichen Finanzbedarf von 1.500 Euro, dann benötigst du der Regel zufolge ein Kapital von 450.000 Euro, um frühzeitig in den Ruhestand zu gehen. Bei 4.000 Euro verdoppelt sich der Betrag auf 900.000 Euro.

Denk dran: Hierbei handelt es sich nur um Schätzwerte. Frag dich vor allem, welchen Lebensstil du im Ruhestand führen willst. Wenn du ständig auf Weltreise sein möchtest, wird dies zweifelsohne teurer ausfallen, als wenn du dich an einem Ort niederlässt.

Hier nochmal ein konkretes Beispiel:

4-prozent-regel-beispiel

4-Prozent-Regel Rechner

Trage unten im Rechner deine monatlichen Kosten ein und erfahre, wie hoch dein notwendige Kapital sein sollte.

Ermittle diesen Betrag mit einem Haushaltsbuch und denk daran die Inflation zu berücksichtigen. 1.000€ heute sind in 20 Jahren deutlich weniger wert.

Diese Kapital brauchst du, um im Ruhestand deinen oben genannten Finanzbedarf mit einer jährlichen Entnahme von 4% zu decken.


Kritik an der 4-Prozent-Regel

Die Einfachheit der 4-Prozent-Regel ist kritikwürdig. Zum einen geht sie von einem Zeitraum von 30 Jahren aus – das ist für jemanden, der mit 40 in Rente gehen möchte zu wenig. Das Geld sollte dann im Idealfall für mindestens 40-50 Jahre reichen.

Außerdem liegt der Anlagefokus der Forscher auf US-Titeln. Diese haben im gewählten Zeitraum eine überdurchschnittlich hohe Rendite erzielt, die nicht mit der eines MSCI-World vergleichbar ist. Zudem lagen die Anleihenrenditen zu der Zeit auf einem ganz anderen Niveau als sie es heute sind. Auch Steuerzahlungen wurden im Rahmen der Trinity-Studie nicht berücksichtigt.

Die Kritik ist demnach berechtigt, obwohl neue Ansätze der Studie mit einem breit gestreuten Anlageportfolio den 30-Jahres-Zeitraum weiterhin bestätigen können. Mein größter Kritikpunkt ist das Risiko, dass mit der statischen Portfolio-Aufteilung einhergeht. Spätestens in der Entnahmephase muss das Portfoliorisiko deutlich reduziert werden.

Diese Faktoren sprechen für die 4-Prozent-Regel

Zwar werden viele Faktoren ausgelassen, aber auch solche, die für die 4-Prozent-Regel sprechen. Sie geht nämlich davon aus, dass aus dem Kapital die gesamten Lebenshaltungskosten gedeckt werden.

Viele von uns erhalten jedoch im Alter eine Rente, haben einen Nebenjob oder ein eigenes Unternehmen aufgebaut, aus dem Einkommen erzielt wird. 

Außerdem nimmt die Regel an, dass wir jährlich 4 Prozent entnehmen, dabei sind wir deutlich flexibler. Wir können unsere Ausgaben reduzieren oder zusätzliches Einkommen aufbauen, falls es mal kriselt.

Ruhestand oder Job, der Spaß macht?

Ich verstehe den Reiz frühzeitig in den Ruhestand zu gehen und einfach nur noch das zu tun, was einem Spaß macht. Es lassen sich jedoch auch Lifestyles beobachten, vor denen ich  „vorsichtig“ warnen möchte.

Ein wichtiger Punkt beim Aufbau deines Kapitals ist eine Erhöhung deiner Sparquote. Da du nicht nur eine kleine Zusatzrente, sondern im Extremfall deinen kompletten Finanzbedarf finanzieren möchtest, kann diese sehr hoch ausfallen. Viele Menschen beginnen dann, auf vieles zu verzichten, was ihnen Spaß machen, um in 20 Jahren mehr vom Leben zu haben.

Wer garantiert dir, dass du in 20 Jahren in der Lage sein wirst, das Geld dafür zu verwenden, durch die Welt zu reisen? Im Leben ist nichts garantiert. Verliere niemals den Fokus auf die Gegenwart. Suche dir einen Job, der dir Spaß macht – auch wenn er nicht das höchste Gehalt verspricht. Folgst du im Berufsleben deiner Leidenschaft, spielt Ruhestand bald keine allzu große Rolle mehr.

Wie investierst du das Geld?

Die 4-Prozent-Regel geht davon aus, dass du das Geld immer zur Hälfte in Aktien und zur Hälfte in Anleihen investierst. Das ist aus meiner Sicht zu allgemein. Die Portfoliogewichtung sollte sich deinem Risikoprofil anpassen. Sie ist nicht statisch.

In der Vermögensaufbau-Phase kannst du eine hohe Aktienquote vertragen. In der Entnahmephase kann eine hohe Aktienquote hingegen gefährlich werden, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

entnahmestrategie

Angenommen du hättest 500.000 Euro vor 20 Jahren in den MSCI-World investiert und jährlich 20.000 Euro zur Deckung deines Finanzbedarfs entnommen, dann hättest du nach 17 Jahren kein Geld mehr auf dem Konto gehabt.

Kehren wir die MSCI-World Renditen um (linke Seite), dann hättest du auch nach 20 Jahren noch ausreichend Kapital gehabt, um dich zu finanzieren. Zwar werden in der Rechnung konstant 20.000 Euro entnommen und nicht 4 Prozent des Kapitals, aber mit 4 Prozent von 91.738,53 Euro (2011, rechte Seite) lässt sich dein jährlicher Finanzbedarf sicherlich nicht decken, nicht wahr?

Diese Schwankungen gehören in deine Planung berücksichtigt. Sobald du in die Entnahmephase wechselst, solltest du dein Risikoprofil anpassen. Passende ETF-Portfolios findest du z.B. mit unserem kostenlosen ETF-Portfolio Tool.

Eine gute Faustregel zur Ruhestandsplanung

Ob jetzt 3, 4 oder 5 Prozent die passenden Entnahmeraten darstellen. Viel wichtiger ist eine sinnvolle Ruhestandplanung, die sich flexibel auf deine Lebenssituation anpassen lässt. Die 4-Prozent-Regel liefert dafür sehr gute Schätzwerte.

Wenn du also das 25-fache deiner jährlichen Lebenshaltungskosten angespart hast, kannst du deinem Chef entspannt deine Kündigung vorlegen. Selbst wenn es an den Börsen kracht, hast du mit diesem Kapital immer noch genug Zeit zu entspannen und deinen neuen Lebensabschnitt zu planen.

Zum Abschluss haben wir noch die häufigsten Fragen zur 4-Prozent-Regel für dich zusammengefasst.

Häufige Fragen - FAQ

Das ist stark abhängig von deiner persönlichen Situation. Je weniger Kapital du aufgebaut hast, desto höher muss deine Entnahmerate sein, um deinen Finanzbedarf zu decken. Das führt jedoch dazu, dass du schneller dein Kapital verzehrst.

Aus dem Grund: Plane frühzeitig deinen potenziellen Finanzbedarf und baue dein Vermögen entsprechend auf. Rechne im Alter mit einer konservativen Rendite. Das führt zwar dazu, dass du mehr Vermögen aufbauen musst – dafür reduzierst du das Risiko, dass dein Vermögen aufgrund eines Börsencrashs plötzlich nicht mehr ausreicht.

Ich würde dir in der Entnahmephase zu einer konservativen ETF-Portfolio Aufteilung raten, um große Schwankungen zu vermeiden.

In der Vermögensaufbauphase hingegen, kannst du deine Aktienquote höher setzen.

Dein Finanzbedarf heute muss in die Kaufkraft übersetzt werden, die du zum Renteneintrittsalter brauchst.

1.500 Euro sind in 20 Jahren bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent „real“ nur noch 1.109 Euro wert. Um die Kaufkraft zu erhalten, musst du mit einem monatlichen Betrag von ca. 2.000 Euro rechnen.

Breit gestreut mithilfe von kostengünstigen ETFs. Um dir einen besseren Überblick über deine Möglichkeiten zu verschaffen, kannst du mal bei uns im ETF-Portfolio Tool vorbei schauen.

Dort findest du die 10 beliebtesten ETF-Portfolios, die für unterschiedliche Lebensphasen geeignet sind.

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