ETF Tipps 2020: 7 Fehler, die du vermeiden solltest

Carlos | September 2020 | 5 Minuten

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Du hast voller Motivation und Tatendrang den Entschluss gefasst, endlich zu investieren oder tust es bereits?

Wer schnell, einfach und ohne tagelange Unternehmensanalysen investieren möchte, legt sein Geld in ETFs an. Dann wird beim Broker der Sparplan eingerichtet, der jeden Monat automatisiert läuft und das war’s.

Klingt idiotensicher. Was kann also schiefgehen?

Glaub mir, da kann einiges schief gehen.

In der Hoffnung, das Risiko in meinem eigenen Portfolio breiter zu streuen, habe ich vor etwas längerer Zeit angefangen in ETFs zu investieren. Du kannst zwar auch mit Einzelaktien diversifizieren – das kostet dich aber ein Vielfaches von dem, was mit ETFs möglich ist und ist auch erst ab einem entsprechenden Depotvolumen sinnvoll.

Im Austausch mit anderen Anlegern ist mir relativ früh aufgefallen, dass insbesondere Einsteiger viele vermeidbare Fehler begehen, die es ihnen unmöglich machen, das volle Potenzial von ETFs zu nutzen.

Auch mir sind Fehler passiert, die mich zwar nicht meine Altersvorsorge, dafür aber den ein oder anderen Euro gekostet haben. Verstehe mich nicht falsch: Fehler sind super zum Lernen. Wenn du sie aber vermeiden kannst, solltest du sie nicht begehen.

Deshalb: Schnall dich an und lies dir meine ETF Tipps 2020 durch, bevor du die gleichen Fehler machst wie ich.

Fehler 1:

Du missachtest bestehende Korrelationen

Der Fehler wird leider von vielen Börsenneulingen gemacht.

ETFs sind so beliebt, weil du mit nur einem ETF bereits eine große Diversifikation erreichen kannst. Anstatt jede Einzelaktie im DAX zu kaufen, kannst du den kompletten Index einfach mit einem DAX-ETF abbilden.

So weit, so gut.

Was ist aber, wenn du dich entscheidest, zusätzlich noch in einen ETF auf den EuroStoxx 600 zu investieren?

Im Prinzip ist das eine gute Idee. Der Nachteil liegt einzig und allein darin, dass große DAX-Unternehmen wie z.B. SAP im EuroStoxx 600 genauso vertreten sind wie im DAX. Du bildest also zahlreiche Aktien doppelt ab – und das widerspricht ganz klar dem Prinzip der Diversifikation.

Ein anderes Beispiel ist der MSCI-World Index: Dieser besteht aus 1.639 Unternehmen und hat eine 60% USA-Gewichtung. Wenn du jetzt noch zusätzlich einen ETF auf den S&P 500 in deinen Sparplan aufnimmst, würdest du Unternehmen wie Microsoft, Apple oder Exxon Mobile doppelt in deinem Portfolio haben. Da diese positiv miteinander korreliert sind (heißt: Sie bewegen sich immer in dieselbe Richtung), schadest du deinem Gesamtrisiko.

Deshalb solltest du beim Aufbau deines Portfolios auf folgende Dinge achten:

  • Kaufe ETFs auf unterschiedliche Assetklassen, Regionen und Branchen.
  • Lies dir die ETF-Broschüren immer genau durch, um mögliche Überschneidungen zu vermeiden.
  • Du musst nicht in 50 ETFs investieren. Im Normalfall genügen 8-12 ETFs für eine optimale Diversifikation.

Und bevor du überhaupt anfängst dein Geld anzulegen, solltest du dir über deine Ziele und Anlagestrategie Gedanken machen.

Dazu jetzt mehr.

Fehler 2:

Du hast keine "echte" Anlagestrategie

Wenn du Vermögen aufbauen willst, brauchst du Ziele.

Bei der Auswahl deiner Ziele kannst du dich an folgender Struktur orientieren:

  • Kurzfristige Ziele (1-2 Jahre)
  • Mittelfristige Ziele (3-9 Jahre)
  • Langfristige Ziele (>10 Jahre)

Noch ein Wort der Warnung, bevor du loslegst:

Bitte mache nicht den Fehler, Geld für kurzfristige und mittelfristige Ziele in Aktieninvestments zu binden.

Schwankungen sind an den Finanzmärkten normal. Auch wenn alles ruhig scheint, kann von heute auf morgen alles anders aussehen. Emotionen spielen eine viel größere Rolle als fundamentale Unternehmensdaten.

Ich zeige dir das Dilemma in einer einfachen Rechnung:

  1. Du legst heute 5.000 Euro in einen Aktien-ETF an.
  2. Daraus können über einen Zeitraum von 15 Jahren, bei einer durchschnittlichen Rendite von 7%, 13.795 Euro werden.
  3. Aufgrund von Turbulenzen an den Börsen kann der Wert deiner Anlage in den ersten 2 Jahren jedoch um 20% oder mehr sinken.
  4. Falls du die 5.000 Euro in 2 Jahren für eine größere Anschaffung nutzen wolltest, hast du dafür nun nicht genug liquide Mittel.
  5. Halte deshalb insbesondere für kurzfristige Ziele dein Geld immer auf dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto.

Sobald du weißt, für welches Ziel du Geld anlegen möchtest, solltest du dir klar machen, wie hoch deine Risikobereitschaft ist.

Die Antwort auf die Frage hat große Auswirkungen auf die Gewichtung in deinem Portfolio. Soll die Aktienquote bei 80% (risikofreudig) oder doch lieber bei 30% (risikoavers) liegen?

In jedem Fall empfehle ich dir, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.

Wie in „Fehler 1“ beschrieben, solltest du auf eine breite Verteilung auf unterschiedliche Assetklassen, Regionen und Sektoren setzen. Damit reduzierst du nicht nur Schwankungen in deinem Portfolio, sondern insbesondere die Gefahr vor impulsiven Verkäufen, falls es mal turbulenter an den Märkten zugeht.

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Sehr wichtig: Setze dir immer Ziele, bevor du anfängst du investieren!

Fehler 3:

Du schaust nur nach den Kosten

Dass ETFs eine kostengünstige Alternative für Anleger sind, die ihr Vermögen breit streuen möchten, ist mittlerweile klar.

Sind Kosten die einzige Variable, die zählt?

Auf keinen Fall!

Bei der Auswahl eines ETF solltest du neben der sogenannten Total Expense Ratio (TER) weitere Kriterien in Betracht ziehen.

Lass uns kurz auf die Definition der TER blicken:

"Die Total Expense Ratio gibt die Höhe der Kosten an, die jährlich in einem Fond entstehen."

Neben dieser Kennzahl solltest du definitiv einen Blick auf die folgenden Daten werfen:

  • Das Datum der Auflage
  • Die Größe des Fonds
  • Das Konzept der Ertragsverwendung
  • Die Replikationsmethode
  • Das Fondsdomizil

Dazu ein kleines Beispiel:

  • Du möchtest für den langfristigen Vermögensaufbau einen ETF auf den MSCI World ACWI erwerben und in einer großen Tranche investieren.
  • Deine Wahl fällt auf einen 2019 aufgelegten ETF mit 25 Millionen Euro Volumen (ausschüttend).

Was an der Auswahl verkehrt ist:

  1. Das Fonds-Alter ist zu niedrig (<1 Jahr), es besteht die Gefahr der Liquidierung.
  2. Geringes Fondsvolumen erhöht ebenfalls das Risiko der Liquidierung.
  3. Zum Vermögensaufbau mit größerem Anfangskapital eignet sich ein thesaurierender ETF besser.

Auf ETFs zu setzen macht Sinn.

Es ist und bleibt die kosteneffizienteste Art Geld anzulegen.

Wie du anhand des Beispiels jedoch sehen kannst, ist der Fokus auf eine einzige Kennzahl nicht zielführend. Nutze die nachfolgende Checkliste bei der Auswahl deiner ETFs.

Damit stehst du in den meisten Fällen auf der sicheren Seite.

Kleine ETF-Checkliste

Hier findest du die wichtigsten Kriterien für die Auswahl von ETFs:

  • Fondsvolumen: Das Fondsvolumen sollte > 100 Mio. Euro sein.
  • Fondsalter: Der ETF sollte älter als 1 Jahr sein.
  • Laufende Kosten: Achte auf eine niedrige Total Expense Ratio (TER).
  • Tracking-Qualität: Vergleiche die Wertentwicklung mit dem Vergleichsindex und anderen ETFs.
  • Wertentwicklung: Vergleiche die Wertentwicklung über verschiedene Zeiträume und mit ähnlichen ETFs. Fünf Jahre sind ein solider Zeitraum.
  • Börsen-Liquidität: Wie liquide (handelbar) sind die abgebildeten Wertpapiere? Je höher, desto besser.
  • Fondsdomizil: Wähle in Europa aufgelegte ETFs, um steuerliche und rechtliche Nachteile zu vermeiden.
  • Replikationsmethode: Überprüfe, ob der ETF die Indexwerte wirklich kauft. Setzt der ETF auf eine physische Replikation, werden die Indexwerte (beim DAX z.B. die Aktien von SAP und Siemens) 1:1 gekauft. Bei einer synthetischen Replikation wird die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index mit Swap-Geschäften abgebildet. Ich setze, wenn möglich, auf physisch replizierende ETFs.  
  • Ertragsverwendung: Anders als bei ausschüttenden ETFs reinvestieren thesaurierende ETFs Dividenden- und Zinszahlungen. Dein Vermögensaufbau läuft somit auf Auto-Pilot.
  • Fondsanbieter: Überprüfe, ob du vom ETF-Anbieter alle wichtigen Informationen auf der Homepage erhältst.
  • ETF-Sparpläne: Willst du deine Investments automatisieren, solltest du auf sparplanfähige ETFs setzen. Das erspart dir einiges an Zeit. Achte bei der Depoteröffnung auf diese Möglichkeit.
  • Handelskosten: ETFs sind günstig. Entscheide dich für einen Broker mit günstigen Handelskosten, um deine Ausgaben niedrig zu halten.

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Fehler 4:

"Hin und Her macht Taschen leer"

Das gilt nicht nur für Aktien, sondern auch für ETFs.

Oft glauben Privatanleger, den Markt schlagen zu können. Zum Beispiel, weil sie gerade einen heißen Tipp von ihrem Banker erhalten haben oder weil einer dieser selbsternannten „Börsengurus“ der Meinung ist, dass ETFs zum Thema Biotech demnächst einen Boom erleben werden.

In der Realität sieht das Ergebnis traurig aus: Du verursachst höhere Kosten (Transaktionsgebühren bei Kauf- und Verkauf), steigst in der Regel zu spät auf den fahrenden Zug auf oder verkaufst zu früh und schmälerst dadurch deine Rendite.

Merke dir also eins: Du kannst die Rendite deiner Geldanlage in der Regel nicht entscheidend beeinflussen. Deine Kosten jedoch schon.

Aus diesem Grund rate ich dir von aktiven Anlagestrategien ab. Zahlreiche Studien zeigen, dass sie sich langfristig (>10 Jahre) nicht lohnen. Nur 3% aller aktiven Fondsmanager gelingt es, auf lange Sicht den Markt zu schlagen. Und das sind oft Personen mit einem großen Informationsvorsprung und viel Erfahrung.

Das Zitat hier fasst diesen Punkt ganz gut zusammen:

“Think of ETFs as the market’s version of a wolf pack picking off and weeding out the slower and weaker active fund managers in the herd, those with consistently poor returns and high fees.”

Vito J. Racanelli, Barron’s

Falls du noch nicht überzeugt bist, lies dir im Anschluss an den Artikel meinen Leitfaden zum Passiven Investieren durch. Dort erkläre ich dir die Vor- und Nachteile von ETFs.

Fehler 5:

Zu viel Fokus auf den Heimatmarkt

Home Bias ist ein Phänomen, das weltweit greift.

Überall auf der Welt neigen Anleger dazu, bevorzugt in heimische Aktien zu investieren. Sogar der Präsident der Deutschen Bundesbank hat einen ETF auf den MSCI All Country World Index und einen auf den DAX.

Damit begeht auch er den Fehler, den heimischen Markt zu stark zu gewichten.

Wie hoch darf denn jetzt der Anteil an heimischen Aktien im Portfolio sein?

Die Frage ist pauschal schwer zu beantworten.

Es gibt jedoch wissenschaftliche Studien, die einen Anteil von etwa 4% als völlig ausreichend ansehen, um den deutschen Aktienmarkt abzudecken.

Fehler 6:

Verstehst du jeden ETF, in den du investierst?

Generell gilt:

Investiere nur in ETFs, deren Anlagestrategie du auch verstehst.

Bei ETFs der ersten Generation ist das meist gegeben. Diese bilden lediglich einen bestimmten Börsenindex Eins zu Eins nach.

Allerdings haben sich im Laufe der Zeit sogenannte Smart-Beta-ETFs entwickelt. Diese haben das Ziel, den Markt (regelbasiert) zu schlagen. Vor allem Multi-Factor-ETFs haben oft eine komplizierte Konstruktion, die auch ich häufig nicht nachvollziehen kann.

Aus dem Grund: Finger weg von solchen ETFs, wenn du sie nicht verstehst!

Es bringt nichts, wenn du hier unnötige Risiken eingehst, die dir langfristig keinen Vorteil verschaffen.

Den Markt nicht schlagen zu müssen, ist der Grund, weshalb ETFs überhaupt erst entstanden sind. Lass uns dabeibleiben.

Fehler 7:

Der richtige Zeitpunkt war Gestern

Du glaubst, du kannst den perfekten Einstiegszeitpunkt bestimmen?

Ich wette dagegen!

Den optimalen Zeitpunkt zum Einsteigen kannst du nur im Nachhinein bestimmen.

Lass uns dazu einmal kurz auf die Entwicklung eines DAX-Investments blicken:

  • Wenn du seit 2000 in den DAX investiert bist, hast du bis Mai 2020 67% Rendite gemacht.
  • Hättest du in diesem Zeitraum – durch aktives Traden – die 15 besten Börsentage verpasst, sitzt du heute auf einer Rendite von -47% (ohne Berücksichtigung von Inflation).
  • Wenn du nur die 10 besten Börsentage verpasst hättest, liegt deine Rendite bei -28%.

Bedeutet konkret: Du wirst den optimalen Einstiegszeitpunkt nur mit einer großen Portion Glück finden. Dafür sind die Finanzmärkte gerade in der kurzen Frist zu unberechenbar. Es lohnt sich daher langfristig und breit gestreut investiert zu bleiben, weil du auf diese Art kurzfristige Schwankungen entspannt aussitzen kannst.

Um dennoch die Gefahr zu reduzieren, einen ungünstigen Zeitpunkt für deine Investments zu erwischen, empfehle ich dir, den Kauf auf mehrere Zeitpunkte zu verteilen.

Anstatt also deine 5.000 Euro heute komplett zu investieren, verteil die Käufe einfach auf die nächsten 12 Monate. Damit entgehst du der Gefahr einen rabenschwarzen Tag zu erwischen.

Das führt mich zum letzten Punkt.

Setzte auf einen ETF-Sparplan, den du monatlich (ab 25 Euro) bedienst, anstatt in größeren Tranchen zu investieren. Auf diese Art verteilst du eine Investments auf mehrere Zeiträume und musst du dir über einen optimalen Einstiegszeitpunkt keine Gedanken mehr machen.

ETF Tipps 2020: Fazit

Auch beim Investieren in ETFs kann man manchen Fehler machen.

Diese Fehler können dazu führen, dass sich dein Portfolio weniger gut entwickelt als es möglich wäre.

Das fängt bei der Suche nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt an und hört bei mangelnder Risikostreuung auf.

Deshalb ist ein Basis-Know-how in Bezug auf die Geldanlage mit ETFs unerlässlich.

Und das findest du unter anderem auf unserem Blog.

Jetzt bist du an der Reihe.

Das waren meine ETF Tipps für 2020. Ich hoffe, der Artikel hilft dir bei deiner Geldanlage weiter!

Ich würde jetzt gerne von dir wissen:

  • Hast du schon mal den ein oder anderen Fehler aus dem Artikel gemacht?
  • Kennst du noch weitere Fehler, auf die du aufmerksam machen möchtest?
  • Was ist dein wichtigster Tipp beim Investieren in ETFs?

Lass es mich in einem kurzen Kommentar hier unten wissen.

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2 Antworten auf „ETF Tipps 2020: 7 Fehler, die du vermeiden solltest“

Tolle ETF Tipps! Ich selbst bin noch Anfänger und auf der Suche nach einer passenden Strategie für mich. Hier sind auf jeden Fall ein paar gute Ansätze dabei. Danke euch 🙂

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