Growney: Gerald Klein im exklusiven Interview (2020)

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Carlos | | 6 Minuten

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Gerald Klein ist CEO einer der ersten Robo-Advisor auf dem deutschen Markt. Im Interview spricht er mit uns über die Auswirkungen der Covid-19-Krise und gibt exklusive Einblicke in seiner private Finanzplanung.

Hallo Gerald, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Mit growney hast du 2014 einen der ersten Robo-Advisor Deutschlands entwickelt. Was genau war die Idee dahinter?

Die Idee hinter growney ist es, Anlegern eine kostengünstige und dadurch renditestarke Geldanlage anzubieten. Mit moderner Technologie und einer ansprechenden Website beraten wir den Anleger in ein Portfolio, das zu seiner Risiko-Bereitschaft passt.

Scheinbar haben wir bisher viel richtig gemacht, denn eine Weiterempfehlungsquote in Höhe von 97% bei Bestandskunden habe ich in meiner Bankenkarriere vorher noch nie gesehen.

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Robo-Advisor sind besonders in den USA sehr beliebt. In Deutschland sind Anleger „noch“ zurückhaltend. Welche Vorteile bieten Robos bei der Geldanlage?

In den USA legen bereits 5% der Anleger ihr Geld über einen Robo-Advisor bzw. digitalen Vermögensverwalter an. In Deutschland sind bisher lediglich 0,5% der Anleger bei einem digitalen Vermögensverwalter investiert. Sowohl in den Staaten als auch in Deutschland haben insbesondere fortgeschrittene Anleger schnell ihren Vorteil erkannt und sparen über digitale Vermögensverwalter.

Die Hauptmotive für einen Wechsel sind natürlich die Kostenersparnisse, die oft bei 70% liegt, und der hohe Komfort, weil die Kapitalanlage sehr bequem 24/7 über jedes internetfähige Endgerät verfolgt und umgesetzt werden kann.

Auf einen guten Service müssen die Kunden trotzdem nicht verzichten. Viele Anbieter haben leistungsfähige Service – Center, die über Telefon, E-Mail und Chat angesprochen werden können.

Es gibt jedoch auch ein paar Nachteile. Die Kosten sind deutlich höher als bei einem DIY-Investment und auch die Kontrolle über die Geldanlage liegt nicht mehr beim Anleger, nicht wahr?

Für meisten DIY-Anleger wäre es günstiger bei einem Robo zu sparen, denn die Verwaltungskosten von 0,39% – 0,69% p.a. beinhalten bereits die Transaktionskosten. Das ganze Servicepaket, wie z.B.

  • ein regelmäßiges Rebalancing,
  • die permanente Qualitätskontrolle der Fonds,
  • die Anpassung des Portfolios z.B. an das Wachstum in der Welt
  • und einen kompetenten Ansprechpartner

…gibt es quasi kostenlos dazu.

Richtig ist, dass ein Anleger bei einer Vermögensverwaltung ein Anlagekonzept kauft und die Umsetzung entsprechend an den Verwalter überträgt. Die Kontrolle über seine Geldanlage hat ein Anleger aber insbesondere bei digitalen Vermögensverwaltern jederzeit.

Für welche Menschen eignen sich Robo-Advisor besonders gut?

Die Stärke von digitalen Vermögensverwaltungen ist ihre hohe Standardisierung. Die Auswahl des „richtigen“ Portfolios wird insbesondere über die Risikomentalität eines Anlegers gesteuert. Anleger erzielen auf diesem Weg die für sie höchstmögliche Rendite.

Lediglich bei großen Vermögen, die signifikante Teile in Assetklassen halten, die von einer digitalen Vermögensverwaltung nicht erfasst werden, kann eine Robo-Anlage lediglich eine Ergänzung sein.

97,5% der Anleger könnten aus meiner Sicht 100% ihrer Geldanlage perfekt und sehr kostengünstig über einen Robo-Advisor umsetzen.

Aus welchen Gründen sollten man sich heute „dringend“ mit dem Thema Geldanlage beschäftigen?

Die Grundprinzipien der Geldanlage sind sehr einfach:

  • Gut diversifizieren,
  • auf die Kosten achten, denn nicht gezahlte Kosten sind die Rendite des Anlegers
  • und nur so viel Risiko nehmen, wie man verträgt, denn die intelligente Risikoübernahme wird langfristig immer mit einer höheren Rendite belohnt.

Je früher ich mich mit dem Thema beschäftige, umso kleiner ist der Aufwand, weil der Zinseszinseffekt auf meiner Seite ist.
Die beliebtesten Sparziele bei uns sind Altersvorsorge, Kinder und Haus.

Wir stellen fest, dass Anleger mit einem konkreten Sparziel sehr konsequent sparen. Darüber hinaus sind Sparer mit einem strukturierten Finanzplan oft gelassener als Menschen ohne Ersparnisse. Das negative Gefühl beim Konsumverzicht wird durch ein angenehmes Sicherheitsgefühl überlagert, das beim Sparen entsteht.

Eure Anlagestrategien sind passiv ausgerichtet. Wieso habt ihr euch für diesen Ansatz entschieden?

Ja, das kann ich gut verstehen und das Ziel den Markt zu schlagen haben viele Anbieter. Langfristig erreichen tut es aber fast keiner. Aktive professionelle Asset Manager als auch DIY-Anleger sind nach einer regelmäßigen Studie von Standard & Poor‘s fast alle schlechter als das vermeintlich einfache Marktportfolio.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Hintergrund:

Alle Anleger halten zusammen das Marktportfolio. Passive Anleger bilden das Marktportfolio 1:1 ab.

Aktive Anleger lassen ihre Prognosen einfließen und weichen vom Marktportfolio ab, indem sie einzelne Aktien unter- und übergewichten. In Summe werden sich die Gewinne und Verluste der aktiven Anbieter gegen das Marktportfolio ausgleichen, denn was der eine verliert, muss der andere gewinnen. Aber die entscheidende Frage ist: Gibt es langfristig erfolgreiche Anbieter mit einem aktiven Ansatz, die nur noch gefunden werden müssen? Leider nein.

Nach der Studie von Standard & Poor’s gibt es schon nach 10 Jahren fast keinen Anbieter mehr, der das Marktportfolio schlägt. In Summe verfehlen alle aktiven Anbieter das Marktportfolio um ihre Kosten, die bei ihrer aktiven Verwaltung entstehen.

Passive Anbieter sind ebenfalls entsprechend ihrer Kosten unterhalb der Entwicklung des Marktportfolios.

Vorteil für den Anleger ist, dass passive Anbieter nur ca. 1/3 der Kosten von aktiven Anbieter erheben. Im Kapitalmarkt gibt es leider langfristig keine großen Helden, weil Märkte sehr informationseffizient sind. Daher ergibt es sehr viel Sinn mit einem passiv orientierten Anbieter zu gehen und am Ende zu den Besten zu gehören.

Stichwort Market-Timing: Gibt es aus deiner Sicht den optimalen Einstiegszeitpunkt zum Investieren?

Theoretisch lässt sich die Frage einfach beantworten.

Wenn ich für die Übernahme von Risiko eine Prämie erhalte, ist der richtige Einstiegszeitpunkt immer jetzt, denn theoretisch erhalte ich für jeden Tag einen Teil dieser Prämie.

In der Praxis empfehlen wir den Anlegern mit großen Vermögen in gleich großen Stufen in den Markt zu gehen.

Die logische Konsequenz: Ab mit dem Geld in ein breit gestreutes ETF-Portfolio und mindestens 20 Jahre halten?

Grundsätzlich ja: Anleger sollten noch darauf achten, dass das Portfolio zu ihrer individuellen Risikomentalität passt und regelmäßig das Risiko in ihren Korridor zurückfahren.

Die Fondsqualität verändert sich über die Zeit. Eine regelmäßige Überprüfung macht sehr viel Sinn. Wenn in ein diversifiziertes ETF-Portfolio mit mehreren Fonds angelegt werden soll, sind die Transaktionskosten oft ein Kostentreiber. Hier lohnt es sich, mehrere Anbieter zu vergleichen.

Welche sind die wichtigsten Kriterien, nach denen ihr ETFs auswählt?

Unser wichtigstes Kriterium ist die Schwankung des ETF um das Indexkonzept. Hier wollen wir möglichst nur sehr kleine Abweichungen sehen.

Den mittleren Abstand vom Indexkonzept zum ETF wollen wir ebenfalls sehr gut nachvollziehen können, denn neben den ausgewiesenen Kosten ist die Weitergabe von Erträgen aus der Wertpapierleihe ein wichtiger Bestandteil.

Detaillierte Informationen erhalten wir regelmäßig durch einen intensiven Austausch mit den Fondsgesellschaften.

Viele Sparer trauen sich aufgrund der Schwankungen nicht, ihr Vermögen in Aktien zu investieren. Was siehst du das?

Ich kann die Leute gut verstehen.

Aber tatsächlich hat jeder von uns eine Risikotoleranz, mit der wir eine bestimmte Aktienquote auch in den turbulentesten Marktphasen vertragen.
Diese Risikoakzeptanz kann durch einen Fragetest einfach ermittelt werden.

Es gibt immer mehr Anleger, die Risiko als den Verlust von Kaufkraft verstehen und sagen, dass Aktien die sicherste Anlageform sind, denn ein diversifiziertes Aktienportfolio hat in jedem 20-Jahreszeitraum der letzten 170 Jahre mindestens die Kaufkraft des Geldes erhalten.

Die Corona-Krise hat die Finanzmärkte ordentlich durchgeschüttelt. Wie sollten Anleger in Krisenphasen vorgehen?

Corona ist ein Härtetest, der natürlich auch den stärksten Anleger aus der Ruhe bringen kann.

Wir haben unsere Kunden bestärkt, ihre Sparpläne wie geplant umzusetzen. In Summe haben unsere Anleger in dieser Zeit sehr viel Geld außerplanmäßig zusätzlich gespart.

Wie gehst du das Thema Geldanlage und Finanzplanung privat an – hast du Tipps, die du den Leuten mitgeben möchtest?

Meine Eltern kommen beide aus der Bank. Geldanlage beschäftigt mich daher schon sehr lange. Mein Geld habe ich heute ausschließlich in Aktien und Immobilien angelegt.

Mein Tipp für Sparanfänger: Stellt Euch einfache Fragen z.B.

  • Welche Sparziele will ich erreichen?
  • Wie erreiche ich meine Sparziele?

Haltet euch fern von Leuten, die sicher hohe Renditen versprechen und achtet auf die Kosten.

Nehmt euch Zeit mit der Entscheidung, denn das Sparergebnis kann bei gleichem Risiko sehr unterschiedlich sein.

Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr und macht auch vor der Finanzwelt keinen Halt. Wie steht ihr zu dem Thema?

An einem Nachhaltigkeitskonzept arbeiten wir bei growney schon relativ lange. Noch im 3. Quartal ist es endlich so weit und unseren Kunden können auch nachhaltige Portfolios bei growney auswählen.

Persönlich habe ich beim Thema Nachhaltigkeit noch viel Potenzial nach oben, aber ich fahre immerhin schon ein E-Auto und kaufe fast ausschließlich BIO-Produkte.

Last but not least. Wie sieht deiner Ansicht nach die Zukunft der Robo-Advisor aus?

Growney ist ein digitaler Vermögensverwalter für Privat-, Unternehmenskunden und Stiftungen. Wir sind aber auch Technologielieferant bei Banken, Versicherungen und unabhängigen Vertrieben.

Es gibt heute in Deutschland ca. 500 Vermögensverwaltungen, die in Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften und vollkommen unabhängig aufgestellt sind. Ich erwarte, dass nahezu jeder dieser Marktteilnehmer zukünftig seinen Kunden auch einen 100% digitalen Zugang anbieten wird.

Die Technologie wird wahrscheinlich von relativ wenigen Anbietern geliefert, weil die Entwicklung und Pflege der Technik relativ aufwendig ist.

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