Interview mit Vincent Willkomm: „Vorsorgen, viele Standbeine aufbauen, das Vermögen breit aufteilen.“

verfasst von
verfasst von

Carlos Link-Arad
Gründer von Beyond Saving

vincent-willkomm-interview
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on whatsapp

Finanzielle Gesundheit: Deutsche machen beim Thema Finanzen keine gute Figur. Mit seiner Plattform Freaky Finance will Gründer Vincent Willkomm mehr Finanzbildung in Deutschland fördern. Im Interview spricht er mit uns über die Bedeutung von finanzieller Unabhängigkeit und seine persönliche Interpretation von Wohlstand.

Hi Vincent, super, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Lass uns doch kurz mit einer kleinen Einführung für unsere Leser und Zuhörer anfangen: Wer bist du, was machst du und wo kommst du her?

Ich komme ursprünglich aus der Lüneburger Heide, lebe in Hamburg und arbeite seit 27 Jahren für die gleiche Firma in der Luftfahrtbranche.

Du hast vor einigen Jahren den Finanzblog „freaky finance“ gegründet. Was genau ist dein Ziel, das du damit verfolgst? Erzähl uns doch kurz was zum Hintergrund.

Da ich mich selber seit meiner Jugend für Finanzen interessiere, schon immer sparsam lebe und meine Überschüsse investiere, habe ich „freaky finance“ ins Leben gerufen, um von meinem Weg und meinen Erfahrungen zu berichten. Da ich breit diversifiziert investiere, kann ich zu so gut wie jeder Anlagemöglichkeit etwas mitteilen.

Dabei berichte ich auch transparent von Fehltritten und nicht nur von meinen finanziellen Erfolgen. Das soll zur finanziellen Bildung im deutschsprachigen Raum beitragen. Durch diesen ehrlichen Mix aus realen Erfahrungen können meine Leser etwas lernen, eigene Fehler vermeiden, ohne eigene Fehltritte direkt den richtigen Weg gehen oder einfach nur aus Interesse meine (finanzielle) Entwicklung verfolgen. Da ich auch viel Persönliches einfließen lasse ist das für einen Teil der Konsumenten sicher auch Entertainment.

Finanzen ist etwas, das gerade Deutsche sehr stresst. Über 75 % der Menschen geben sogar zu, dass ihr Schlaf unter der finanziellen Situation leidet. Worin siehst du die Lösung für dieses Problem?

Es gibt natürlich Fälle, in denen Menschen unverschuldet in finanzielle Not geraten und damit Stress haben. Abgesehen von solchen Schicksalen kann jeder selbst für sein persönliches finanzielles Wohlbefinden sorgen und die Nacht dafür nutzen, wofür sie da ist: ruhig schlafen.

Leider fehlt es vielfach an finanzieller Bildung, wodurch einfachste Maßnahmen nicht getroffen werden und dann braucht es nur eine Phase, in der es nicht ganz nach Plan läuft, um aus der Bahn geworfen zu werden. Dann ist der angesprochene Stress vorprogrammiert! Der Schlüssel ist eben finanzielle Bildung.

Existenzielle Risiken gehören abgesichert, ein Notgroschen in persönlicher Wohlfühlhöhe muss angespart werden und schließlich sollte jeder langfristig fürs Alter vorsorgen.

Das kann übrigens fast jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Es gibt auch immer Möglichkeiten, Kosten zu senken und Einnahmen zu erhöhen. Teilweise ganz einfach und aus dem Alltag heraus. Auch über solche Ideen schreibe ich übrigens im Blog.

Es geht nicht darum, sich sein Leben lang selbst zu geißeln und auf alles, was Spaß macht, zu verzichten. Viele geben einfach alles, was an Geld reinkommt, komplett wieder aus. Manche geben sogar mehr aus, als reinkommt. Auf die Idee, einen Teil der Einkünfte zu sparen und zu investieren, kommen erstaunlich wenig Menschen. Es hilft jedenfalls, die typische Lifestyleinflation, bei der man sein Ausgabenverhalten fortwährend seinem steigenden Einkommen anpasst, etwas einzubremsen und für schlechte Zeiten vorzusorgen. 

Als aktuelles Beispiel zeigt die Corona-Krise, die zweifellos schlimm ist, wie schlecht einige vorgesorgt haben. Da war nach ein paar Tagen ohne Einnahmen schon Land unter. Keine Rücklagen. Für mich in der Dimension und nach so kurzer Zeit völlig unverständlich. Ich will dabei nicht in Abrede stellen, dass die Auswirkungen der Krise hart sind und auch Leute betreffen, die gut vorgesorgt haben.

Gibt es eine bestimmte Frage in Bezug auf Finanzen, die du besonders oft gestellt bekommst?

Wie ich es geschafft habe, mein Vermögen aufzubauen und ob ich einen Anlagetipp habe.

Willst du auch deine Finanzen meistern und stressfrei Vermögen aufbauen?

Mit wertvollen Tipps & Tricks aus unserem Leben nehmen wir dich an die Hand und durchlaufen gemeinsam die Welt der Finanzen. Jeden Donnerstag um 18 Uhr in deinem Posteingang.

Finanzielle Gesundheit ist gerade in den USA ein großes Trendwort, das sehr stark an „finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit“ geknüpft sein soll. Wie definierst du „finanzielle Gesundheit“ für dich?

Wenn ich mir keine nennenswerten Sorgen um finanzielle Dinge machen muss, bin ich finanziell gesund.

Auch wenn mal eine größere Rechnung oder etwas Unerwartetes kommt, stehe ich nicht plötzlich vor einem finanziellen Problem. Ich möchte nicht von jemandem finanziell abhängig sein. Auch nicht von meinem Arbeitgeber.

Deswegen habe ich mir viele verschiedene Einkommensquellen aufgebaut. Zum Glück bin ich happy mit meinem Job und übe ihn deshalb noch in Teilzeit aus. Meine anderen Einnahmequellen bringen aber zusammen mehr ein, als mein Angestelltenverhältnis. Finanzielle Gesundheit hat also tatsächlich etwas mit Unabhängigkeit zu tun. Wenn ich von einer oder wenigen Sachen finanziell abhängig bin, kann das zu Unwohlsein führen. Würde mich mein Job anöden, wäre mein Chef ein Arsch oder die Kollegen unerträglich, könnte ich von heute auf morgen kündigen, ohne danach finanzielle Probleme zu bekommen.

Genauso wäre es, wenn sich die Firma entschließen würde, mich zu entlassen. Vorsorgen, viele Standbeine aufbauen, das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilen, dann droht nicht so schnell finanzieller Schmerz, wenn es mal turbulenter wird.

Hand auf’s Herz: Hast du sie schon erreicht oder ist das noch ein Ziel, wo du noch hinmöchtest?

Ich denke meinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass ich mich finanziell gut aufgestellt und abgesichert fühle. Aber besser geht immer und wer mag, kann meine weitere Entwicklung im Blog verfolgen.

Die meisten Menschen verbinden Wohlstand mit teuren Autos, schicken Häusern und feinen Restaurants. Wie sieht’s bei dir aus?

Das sind alles keine Dinge, die mich langfristig glücklicher machen würden. Die finanzielle Sorgenfreiheit ist mir wichtig und lässt mich wie gesagt ruhig schlafen. Gesundheit, Zwischenmenschliches, Sonne und schöne Erlebnisse sind nur bedingt mit Geld beeinflussbar, aber sie bedeuten mir viel.

Eine Sache, für die ich schon immer gerne und oft Geld ausgegeben habe, ist allerdings das Reisen. Das verknüpfe ich eng mit den vorgenannten Begriffen Sonne und schönen Erlebnissen. Aber auch Fernreisen können billiger sein, als zu Hause zu bleiben, wie man in meinem Blog erfahren kann…

Last but not least: Was ist dein wichtigster Tipp für Menschen in Bezug auf das Thema Finanzen? Es dürfen gerne auch mehr sein…

Behandelt das Thema nicht stiefmütterlich. Es wird jeden früher oder später einholen und es ist umso einfacher handhabbar, je früher man sich der Sache stellt und die Dinge in die gewünschte Richtung lenkt. Ansonsten wird man eines Tages erleben müssen, wie die Umstände eine lenken – und das leider oft in eine nicht so schöne Richtung.

Agieren statt reagieren. Geht eure Finanzen proaktiv an – für eure finanzielle Gesundheit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.