Investieren statt sparen: Ja oder Nein? (2021)

rebecca cooler future

Rebecca | Februar 2021 | 7 Minuten

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In diesem Beitrag erfährst du, was die Vor- und Nachteile vom Sparen, sowie vom Investieren sind und warum es Sinn macht, nicht all dein Geld auf dem Sparkonto zu horten.

Wir alle wissen, dass wir uns ab einem bestimmten Alter (lieber früher als später) ein bisschen Geld für unsere Zukunft beiseitelegen sollten. 

Sei es für ein Haus, oder für unsere Altersvorsorge – die Idee ist heute Geld zu sparen, oder sinnvoll anzulegen, um morgen ein entspanntes und stressfreies Leben zu führen.

  Inhaltsverzeichnis

Sparen, lohnt sich das denn?

Die Deutschen werden oft als Weltmeister im Sparen bezeichnet, als knauserig und frugal. Wenn man sich die Statistiken anguckt, kommt dieses Stereotyp nicht von irgendwo her. Im Jahr 2019 hatte ein Deutscher Privathaushalt durchschnittlich 27.600€ auf dem Sparkonto liegen. Klingt vielleicht erst einmal sinnvoll, ist es allerdings nicht unbedingt. Das hat folgende Gründe: 

In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, jedoch gibt es gleichzeitig viel weniger Beitragszahler. Konkret wirkt sich das folgendermaßen aus: Im Jahr 1990 lag das Rentenniveau bei 55 Prozent, zuletzt ist es auf 48,2 Prozent gesunken. (Als “Rentenniveau” bezeichnet man dabei das Verhältnis von Rente zum Lohn.) 

Um später nicht am Hungertuch nagen zu müssen, solltest du also jetzt schon damit anfangen, Geld auf die Seite zu legen. Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt.

Wir befinden uns gerade in einer Niedrigzinsphase. Das heißt, dass die Zinssätze weltweit auf einem Tiefststand sind, da viele Zentralbanken ihren Leitzinsen gesenkt haben, um den Konsum anzukurbeln. Die Zinssätze sind allerdings gerade sogar so niedrig, dass sie sogar von der Inflation überholt werden! Wenn du also dein Geld auf einem Sparkonto fünf Jahre lang anlegst, kannst du danach sogar weniger damit kaufen als heute. 

Stell es dir so vor: Für das Einzahlen deines Geldes auf ein Sparkonto, bekommst du einen kleinen Betrag an Zinsen. Das liegt daran, dass die Bank technisch gesehen dafür bezahlt wird, dass sie sich dieses Geld von dir leiht. 

Bei der Sparkasse sind das momentan 0,1 Prozent. Wenn du also 10.000€ ein Jahr lang auf dem Sparbuch hast, kannst du dich am Ende des Jahres über ganze 10€ freuen. Damit kannst du dir dann eine Flasche Wein kaufen. 

Wenn die Kosten für deine 10 Euro Flasche Wein aufgrund der Inflation allerdings jedes Jahr um 2% steigen, du aber nur 1% Zinsen auf dein erspartes Geld bekommst, verlierst du derzeit also sogar Geld, wenn du es auf deinem Sparkonto herumliegen hast. 

Macht es also überhaupt Sinn zu sparen?

Der große Vorteil von einem Sparkonto ist: Es ist eins der wenigen Investments, das eine garantierte und immer gleichbleibende Rendite zu einem vereinbarten Prozentsatz liefert.

Zudem gibt es in der gesamten EU ein Einlagensicherungssystem, dass unsere Ersparnisse bis zu einer Obergrenze von 100.000€ versichert, so dass du dein Geld auch dann zurück erhältst, wenn die Bank Pleite geht. 

Allerdings hat das Sparen auf deinem Sparkonto nicht nur den Nachteil einer sehr geringen Rendite, sondern du übergibst sozusagen auch die Kontrolle über dein Vermögen an die Bank weiter. Damit wären wir beim nächsten Punkt.

Was machen Banken mit meinen Ersparnissen?

Spoiler vorab: Indem du dein Geld auf deinem Sparkonto anlegst, rettest du nicht unseren Planeten.

Das erste, was du über das Geld auf deinem Sparkonto wissen solltest, ist Folgendes: Dein Geld befindet sich nicht wirklich materiell auf deinem Sparkonto, sondern wird von deiner Bank weiter verliehen und investiert. Das ist ein Problem, weil die internationale Bankenwelt tagtäglich massiv Geld in klimaschädliche Industrien pumpt. 

Wells Fargo beispielsweise — eine der größten US-Banken — hat in den drei Jahren nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens fast 2 Billionen Dollar in Unternehmen gesteckt, die ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen machen. 

Die britischen Banken Barclays, HSBC und RBS haben alle zur Finanzierung der Dakota-Pipeline beigetragen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Banking on Climate Change” die von mehreren Umweltorganisationen, darunter “Rainforest Action Network” und “BankTrack” erstellt wurde. 

Die Grafik unten gibt dir einen Überblick von den (schockierenden) Zahlen aus dem Bankensektor.

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Anders gesagt bedeutet das: Du leihst der Bank dein Geld, mit dem sie oft munter die Klimakrise vorantreibt.

 Es spricht also nicht nur aus finanzieller Sicht viel dafür, dein Geld lieber selbst in die Hand zu nehmen und in von dir gewählte Projekte oder Unternehmen zu investieren, sondern auch mit Hinsicht auf eine nachhaltigere Zukunft auf unserem Planeten. 

Wie investiere ich richtig?

Wenn du über Investitionen nachdenkst, dann ist vielleicht eine der ersten Fragen, die dir in den Kopf kommt: Beinhaltet das nicht zu viel Risiko und bin ich nicht besser dran, mein Geld einfach zu sparen?

Kurz gesagt: Du solltest sparen und investieren nicht als Entweder-Oder Möglichkeit betrachten, bei der nur das eine oder das andere funktioniert. Wie in so vielen Situationen des Lebens gilt auch hier, alles ist gut, im rechten Maß!

Das zugrunde liegende Ziel von Investitionen ist es, dein Geld gewinnbringend anzulegen und zu vermehren. Wenn du also etwas kaufst, das an Wert gewinnt, arbeitet dein Geld buchstäblich im Schlaf für dich und schafft dir eine Rendite.

Rendite: Was ist diese “Rendite”? Die Rendite ist der Ertrag deiner Investitionen, also dein Gewinn. 

Risiko: Wie bei den meisten Dingen im Leben, gibt es allerdings auch bei Investitionen ein “aber” . Wenn man über Investitionen spricht, spricht man meistens über Aktien, Anteile, Anleihen oder Fonds. Bei dem Großteil dieser Möglichkeiten hast du im Gegensatz zum Sparbuch keinen fest definierten Zins und weißt daher nicht, wie sich deine Investments entwickeln. 

Zwar haben Anleihen meistens schon einen fest definierten Zins, allerdings ist dabei das Risiko wegen des Ausfallrisikos höher. Prinzipiell heißt das also, im Gegensatz zum Sparen ist mit Investitionen immer ein gewisses Risiko verbunden.  

Risikoscheue Menschen schrecken oft vor dieser Unsicherheit zurück, ganz nach dem Motto “auf dem Sparkonto weiß ich wenigstens was ich habe”. Es ist eben dieses Element des Risikos, welches zu einem größeren möglichen Gewinn führt. Eine goldene Regel solltest du dabei immer im Hinterkopf behalten: Investiere nie mehr, als du dir im schlimmsten Fall leisten könntest zu verlieren. 

Dazu passend, gibt es die 50/30/20 Regel. Diese besagt Folgendes: 50% deines Einkommens sollte für lebensnotwendige Dinge wie Miete und Lebensmittel ausgegeben werden, 30% für Unterhaltung und Freizeit, und die restlichen 20% sollten gespart (oder investiert) werden.

Es gibt allerdings auch ein paar einfache Schritte, mit denen du das Risiko beim Investieren minimieren kannst:

Wirf nicht dein ganzes Geld in einen Topf

Diversifikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Das mag einschüchternd klingen, aber bedeutet einfach, dass du in verschiedene Anlagen investierst und nicht dein ganzes Geld in eine Aktie steckst. Das solltest du tun, damit du im Falle eines Wertverlustes einer Anlage, andere Investitionen hast, die diesen Verlust ausgleichen. 

Falls du zu wenig Zeit, Geld oder Know-How hast, um dir selbst ein Portfolio mit verschiedenen Anlagen aufzubauen, kannst du beispielsweise auch in einen Investmentfonds investieren.

Denke langfristig, nicht kurzfristig

Mal eben so schnell 1 Millionen verdienen? Hollywood lässt den Aktienmarkt ziemlich glamourös aussehen – mit schwindelerregenden Höhen und krachenden Tiefen, mit einer Schlussszene, in der der Held den großen Gewinn erreicht, dem er die ganze Zeit nachgejagt ist. 

In der Realität sieht das allerdings ein bisschen anders aus. Ein wichtiger Tipp hier ist: Der Aktienmarkt ist nicht der richtige Ort um über Nacht ganz schnell Geld zu verdienen. 

Wenn du über einen längeren Zeitrahmen investierst, bedeutet das automatisch, dass du die Chance hast, mehr zu sparen und vom Zinseszins zu profitieren. Es bedeutet auch, dass du mehr Zeit hast, damit sich Deine Investments erholen können, wenn sie an Wert verloren haben.

Practice what you preach: Eine Schlussfolgerung

Dein Geld auf einem Sparkonto anzulegen birgt zwar das geringere Risiko, führt allerdings auch zu einem vergleichsweise niedrigen Gewinn (in Form von Zinsen). Abgesehen davon hat das Geld auf deinem Sparkonto auch einen beträchtlichen CO2 Fußabdruck. 

Banken nutzen dein Erspartes in den meisten Fällen, um in Industrien zu investieren, die unserem Planeten schaden (wie beispielsweise die Waffenindustrie, oder fossile Brennstoffe). 

Indem du Banken dein Geld gibst, überlässt du ihnen auch die Kontrolle darüber. Nimmst du dein Geld stattdessen selbst in die Hand, kannst du entscheiden, was damit geschieht. Mit deinen Investitionen bestimmst du aktiv mit, in welche Richtung sich unsere Zukunft entwickelt. 

Hierbei solltest du beachten, dass selbstverständlich auch nicht alle Investitionen gut für unseren Planeten sind. Auch deine eigenen Investments können einen sehr hohen CO2e Fußabdruck haben, und nicht jeder Fonds legt nachhaltig an. Bevor du dich für eine Investition entscheidest, solltest du auch hier erst einmal gründlich recherchieren. 

Außerdem sind auch nicht alle Banken “bad banks”. Es gibt sogar immer mehr Banken, die versuchen die Finanzwelt nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise die GLS Bank, oder die Tomorrow Bank. Du kannst also auch schon einiges verändern, indem du ein bisschen recherchierst und deine Bank wechselst. 

Egal wofür du dich entscheidest, eins solltest du nie vergessen: Sparen und Investieren keine Entweder-oder-Möglichkeiten. Beide erfüllen verschiedene Zwecke und idealerweise solltest du von Beidem etwas haben. 

Zu einem bestimmten Grad macht es also Sinn, ein bisschen “typisch deutsch” und knauserig zu sein und dein Sparkonto nicht verhungern zu lassen.

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Rebecca Pflanz ist Social Media Managerin bei dem FinTech Startup Cooler Future, dessen Mission es ist, mit einer Klima-Impact-Investment App die Finanzwelt zu revolutionieren. Sie schreibt über Impact-Investment und Klimathemen und interessiert sich für alles, was mit nachhaltigem Investieren zu tun hat.

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