Rentenlücke schließen: In 3 Schritten fürs Alter vorsorgen

Carlos | Oktober 2020 | 5 Minuten

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„Wie kann ich meine Rentenlücke schließen?“ – das ist die zentrale Frage bei der privaten Altersvorsorge. Wie du sie berechnest und vor allem schließt, erfährst du jetzt.

Allein der Gedanke an die Rente beunruhigt viele Deutsche. Ein Blick auf die jährliche Renteninformation (sog. „Rentenbescheid“) von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) hat auch mich zum Nachdenken gebracht.

Meine zu erwartende Rente deckt nicht einmal 60 Prozent meiner Lebenshaltungskosten. Und das Rentenniveau droht weiter zu sinken. Bis 2029 soll dieses auf 43 Prozent schrumpfen.

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist der demografische Wandel in Deutschland. Menschen werden immer älter und erhalten länger Rentenzahlungen, während immer weniger Angestellte in die Rentenversicherung einzahlen. Besonders Frauen sind hart betroffen.

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke ist die Differenz deiner voraussichtlichen Nettorente (siehe Rentenbescheid) und deines Finanzbedarfs. 

Die Ausgangsformel ist also folgende:

Rentenlücke = (Finanzbedarf im Alter) – (Einnahmen aus gesetzlicher Rente und privater Altersvorsorge)

Du wirst deine Rentenlücke im Voraus nie exakt berechnen können – dafür sorgen die folgenden Faktoren:

  • Inflation
  • Steuern
  • langfristige Zinsentwicklung
  • deine Lebenserwartung
  • Lohnentwicklung

Allerdings kannst du deine Rentenlücke schätzen und deine Finanzplanung danach ausrichten.

Wir zeigen dir jetzt wie.

Wichtig: Renteninformation kritisch prüfen

Prüfe in jedem Fall die Informationen zum Versicherungsverlauf kritisch. Nicht selten unterläuft den Beamten ein Fehler, durch den dir viel Geld entgehen kann.

Prüfe, ob alle anrechenbaren Ausbildungs- und Beschäftigungszeiten, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit und Auslandsaufenthalte korrekt erfasst wurden.

Du kannst deinen Rentenbescheid auch von einem professionellen Berater prüfen lassen, falls du dir noch unsicher bist.

Wie viel Geld benötigst du im Alter?

Ein Blick auf aktuelle Studien zeigt, dass Rentner im Durchschnitt zwischen 70 – 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens brauchen.

Bei einem Nettoeinkommen von 2.800 Euro wären das 2.240 Euro.

Einige Ausgaben fallen im Ruhestand weg: etwa Fahrtkosten zur Arbeit, Arbeitskleidung, manche Versicherungen (etwa gegen Berufsunfähigkeit) aber auch Kosten für den Unterhalt der Kinder. 

Andere Ausgaben kommen hingegen hinzu: im Alter hast du mehr Zeit für Hobbys oder Reisen, die vorher zeitlich nicht möglich waren. Falls du ein Eigenheim hast, fallen auch hier laufende Kosten an („Investitionsrücklage“).

Stell dir vor deiner Finanzplanung folgende Fragen:

  1. Wo möchte ich im Alter leben?
  2. Was möchte ich in meiner Rentenzeit erleben?
  3. Will ich sogar vor dem offiziellen Renteneintrittsalter in Rente gehen?
  4. Gibt es gesundheitliche Risiken, die ich berücksichtigen sollte?
  5. Was passiert im Pflegefall?
  6. Reichen 70 – 80 Prozent meines letzten Nettoeinkommens, um diesen Finanzbedarf zu decken?

80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben ist nicht garantiert. Insbesondere in Anbetracht des stetig fallenden Rentenniveaus musst du mit deutlichen Abschlägen rechnen.

Im Durchschnitt erhalten Bundesbürger aktuell ca. 46 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens als Rente.

Alternative zur 80%-Regel

Die 80%-Regel ist einfach, aber nicht zu 100% genau.

Alternativ kannst deinen notwendigen Finanzbedarf ausrechnen, indem du einfach alle (zukünftigen) Kosten inklusive Sicherheits-Puffer auflistest. Nutze dafür unsere kostenlose Excel Haushaltsbuch Vorlage.

Die Summe dieser Kosten abzüglich der erwarteten gesetzlichen Rente entspricht deiner „genauen“ Rentenlücke.

Wichtiger Hinweis: Der Sicherheits-Puffer dient dem Fall, dass du im Laufe deiner Rentenzeit unerwartete Kosten decken musst, ohne auf andere Dinge zu verzichten.

So ermittelst du deine Rentenlücke

Wie groß ist deine Rentenlücke?

Es gibt verschiedene Wege das herauszufinden. Zum einen erhältst du mit der jährlichen Renteninformation einen detaillierten Überblick über den bisherigen Versicherungsverlauf und eine erste Indiz für deinen zukünftigen Finanzbedarf.

Wer erhält eine Renteninformation?

Alle Versicherten im Alter zwischen 27 und 54 Jahren erhalten, falls sie bereits seit über fünf Jahren Rentenversicherungsbeiträge zahlen, jährlich ihre Renteninformation.

Zusätzlich bietet der deutsche Fondsverband (BVI) einen praktischen Rechner auf ihrer Website an, mit dem du deine eigene Rentenlücke ermitteln kannst.

Der Vorteil an dem Rechner ist, dass du deine Angaben individuell an deine Lebenssituation und Finanzplanung ausrichten kannst.

Die folgende Berechnung zeigt dir, wie die Rentenlücke bei zwei fiktiven Personen mit ganz unterschiedlichen Lebenslagen aussehen könnte:

junge-person

Alter: 45 Jahre

Jahr des Berufseintritts: 1995

Renteneintrittsalter: 67 Jahre

Lohnsteigerungen p.a.: 2%

Bruttoeinkommen: 40.000€

Familienstand: verheiratet

Nettorente: 1.138€

Letzter Nettolohn: 1.888€

80% des Nettolohns: 1.511€

Rentenlücke: 373€

alte-person

Alter: 57 Jahre

Jahr des Berufseintritts: 1988

Renteneintrittsalter: 67 Jahre

Lohnsteigerungen p.a.: 2%

Bruttoeinkommen: 70.000€

Familienstand: nicht verheiratet

Nettorente: 1.726€

Letzter Nettolohn: 2.997€

80% des Nettolohns: 2.398€

Rentenlücke: 672€

Rentenlücke schließen: So funktioniert's

Jetzt weißt du, wie du deine Rentenlücke ermittelst.

Im nächsten Schritt werden wir uns anschauen, wie du deine Rentenlücke schließen kannst. Damit dir das gelingt, musst du dir einen Kapitalstock aufbauen, aus dessen Rendite du im Alter deine Versorgungslücke decken kannst.

Wir nehmen im Folgenden an, dass du monatlich ein zusätzliches Nebeneinkommen von 530 Euro benötigst, um deine Rentenlücke zu schließen.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten.

Entweder das Vermögen, das du dir aufgebaut hast,

  1. wird bis zu deinem Lebensende aufgebracht (sog. „Rente mit Kapitalverzehr“)
  2. oder das Vermögen bleibt erhalten und du lebst von den daraus entstehenden Kapitaleinkünften.

Lass uns das einmal anhand eines Beispiels näher anschauen.

Rentenlücke schließen: Case Study

Name: David Schmidt

Alter: 32 Jahre

Familienstand: verheiratet

Bruttoeinkommen: 48.000 Euro

Berufstätig seit: 6 Jahren

Ruhestand: 67 Jahre

Letzter Nettolohn: 2.343 Euro

Nettorente mit 67: 1.344 Euro

Finanzbedarf: 1.874 Euro

Versorgungslücke: 530 Euro

Berechnung mit Kapitalverzehr

David braucht im Laufe seiner Rentenzeit eine Zusatzrente von 530 Euro pro Monat, um seinen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Wie viel Vermögen er dafür aufbauen muss, ist abhängig von der zu erwartenden Rendite – je höher diese ausfällt, desto geringer die notwendige Kapitalbasis. Auch die Rentendauer beeinflusst die Höhe des erforderlichen Vermögens.

Da beim Modell mit Kapitalverzehr das angesparte Kapital über die Rentendauer „ausgezahlt“ wird, ist das notwendige Vermögensniveau deutlich geringer also beim Modell der ewigen Rente.

Das mag ein wenig kompliziert klingen, ist es aber nicht.

Lass uns auf die Zahlen schauen:

*Angenommene Inflationsrate: 1,50%; Rentendauer: 20 Jahre; Restkapital: 0€

Die Zahlen zeigen: Wer frühzeitig mit seiner privaten Altersvorsorge startet, kann bereits mit kleinen monatlichen Sparraten seine zukünftige Rentenlücke schließen.

Der Zinseszinseffekt wirkt sich im langen Zeitraum besonders stark auf die monatliche Sparleistung aus.

Tipp: Wir haben für die Berechnung einen Entnahmeplan-Rechner genutzt.

Berechnung als ewige Rente

Eine ewige Rente bedeutet nicht mehr, als dass das Anfangskapital auch nach der Rentenzeit in derselben Höhe vorhanden ist.

Du beziehst deine Zusatzrente allein aus den Kapitalerträgen und Wertsteigerungen des investierten Vermögens.

Lass uns auch hier kurz einen Blick auf die Zahlen werfen:

*Angenommene Inflationsrate: 1,50%; Rentendauer: ewige Rente; Restkapital = Anfangskapital

Wie du siehst, musst du für das Modell mit einer ewigen Rente eine deutlich höhere Kapitalbasis aufbauen.

Warum also der ganze Aufwand?

Das Stichwort lautet „Planbarkeit“. Deine genau Restlebensdauer kannst du schwer schätzen. Aus dem Grund kann es passieren, dass du im Modell mit Kapitalverzehr zu wenig ansparst.

Die ewige Rente steht dir „ewig“ zur Verfügung – unabhängig davon, wie lange du lebst.

Außerdem verschaffst du deiner Familie eine finanzielle Basis, um auch die Rentenlücke zukünftiger Generationen zu schließen. 

Fünf Tipps zur optimalen Vorbereitung

Je früher du anfängst, deine Altersvorsorge aufzubauen, desto besser.

Beachte in jedem Fall die folgenden fünf Tipps und teile sie mit deinen Freunden:

  1. Verschaffe dir frühzeitig einen Überblick über deine Finanzsituation.
  2. Fange direkt zum Berufseinstieg (oder im Studium) an zu investieren – die Höhe der Sparrate ist irrelevant.
  3. Berechne deine voraussichtliche Rentenlücke, sobald du deine Renteninformation erhältst und passe deine vorhandenen Sparpläne an.
  4. Setze auf das Modell mit einer ewigen Rente, um mehr Planungssicherheit zu haben.
  5. Diversifiziere deine Geldanlage über verschiedene Anlageklassen hinweg.

Der wichtigste Tipp: Nimm das Thema ernst. Es geht nicht nur darum, deine Rentenlücke zu schließen, sondern vor allem darum, im Alter weiterhin dein Leben genießen zu können.

Mit einer Zusatzrente wird auch die langersehnte Südamerika-Reise zur Realität.

Rentenlücke - FAQ

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