Zeit ist Geld: Warum du so früh wie möglich investieren solltest

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Carlos Link-Arad
Gründer von Beyond Saving

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Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Investieren?

Als Student, Berufsanfänger oder erst kurz vor der Rente?

Wenn du jung bist, hast du bestimmt ganz andere Dinge im Kopf, als dich mit Investitionen für deine Altersvorsorge auseinanderzusetzen.

Das ist verständlich, doch vor allem junge Anleger und Anlegerinnen haben einen großen Vorteil gegenüber dem Rest der Bevölkerung: und dieser lautet Zeit.

In diesem Artikel wirst du erfahren, warum frühes Investieren der Schlüssel zu schneller finanzieller Unabhängigkeit ist und welche Rolle der Zinseszinseffekt dabei spielt.

Inhaltsverzeichnis

Vielleicht hast du gerade dein Master-Studium abgeschlossen, mietest zum ersten Mal deine eigene Wohnung und hast deinen ersten richtigen Arbeitsvertrag unterschrieben. Endlich verdienst du dein eigenes Geld.

Zeit also, dich selbst ein bisschen zu belohnen und dein hart verdientes Geld für schöne Dinge auszugeben. Südamerika-Reise, Ausgehen mit Freunden, die neue Apple Watch und der Segel-Trip nach Kroatien – die Liste ist lang.

Woran die meisten jungen Leute nicht denken: ihre Altersvorsorge. 

Das deutsche Rentensystem bröckelt, das Rentenniveau sinkt kontinuierlich, während die Inflation unseren Lebensunterhalt konsequent verteuert. Wer fürs Alter nicht privat vorsorgt, wird dieses Nichtstun bitter bereuen.

Doch gerade junge Menschen haben viele Vorteile gegenüber älteren Gesellschaftsgruppen. Sie können mit einem deutlich geringeren Aufwand, langfristig große Vermögen aufbauen. Das ist vor allem dank zwei entscheidender Faktoren möglich: Dem deutlich längeren Anlagehorizont und dem Zinseszinseffekt.

Lass uns mit Letzterem starten.

Der Zinseszinseffekt: Lass die Zeit die Arbeit für dich erledigen

"Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn."

Albert Einstein

Den Begriff Zinseszinseffekt hat fast jeder schon mal gehört.

Die meisten waren jedoch nach der Schulzeit froh, dass sie sich mit solchen Themen nicht mehr befassen mussten. 

Mit den folgenden Beispielen zur Zinseszinsrechnung möchten wir dir verdeutlichen, welche Löcher das Ignorieren des Effekts in deinen Vermögensaufbau reißen kann. 

Beispiele, um den Zinseszins einfacher zu verstehen

Um den Zinseszinseffekt zu verstehen, folge aufmerksam den Beispielen. 

Damit kannst du ganz leicht die Wertentwicklung deines Kapitals mit verschiedenen Zinssätzen, Laufzeiten und Sparraten simulieren.

Beispiel zum „einfachen Zins“:

Du möchtest 100€ für ein Jahr zu einem Zinssatz von 6,5% anlegen. Dein Kapital erhöht sich durch die 6,50€ Zinsen:

Nach dem 1. Jahr: Kapital = 100€ x 1,065 = 106,50€

In absoluten Zahlen betrachtet, sind 6,50€ nicht viel Geld. Es macht aber auf lange Sicht einen großen Unterschied, ob du diese 6,50€ nun abhebst und dir etwas davon kaufst oder ob du die verdienten Zinsen wieder anlegst.

Beispielsweise könntest du dir einmal im Jahr für 6,50€ ein Kinoticket leisten. Da sich dein Grundkapital von 100€ jedes Jahr mit 6,5% verzinst, stehen dir auch jedes Jahr 6,50€ neu zur Verfügung. Dieser Effekt wird als einfacher Zins bezeichnet.

Das Problem des einfachen Zinses mit einer jährlichen Zinsausschüttung ist offensichtlich: Dein Startkapital von 100€ wächst nicht und produziert auch nie mehr als 6,50€ Zinsen pro Jahr.

Beispiel zum „Zinseszins“:

Statt die 6,50€ Zinsen für Konsum auszugeben, kannst du sie reinvestieren.

Nach dem 2. Jahr: Kapital = 106,50€ x 1,065 = 113,42€

Im zweiten Jahr ist zu erkennen, dass nicht nur die 100€ Grundkapital für dich gearbeitet haben, sondern auch die 6,50€ Zinsen aus dem ersten Jahr. Die 0,42€ Zinsen nach dem zweiten Jahr sind die ersten Zinseszinsen:

Zinseszinsen = 6,50€ x 1,065 = 6,92€

Um weiter vom Zinseszinseffekt zu profitieren, lässt du dir auch die 13,42€ Zinsen nicht auszahlen, sondern reinvestierst diese erneut.

Wenn du insgesamt zehn Jahre lang so vorgehst, wächst dein Kapital auf:

Nach 10 Jahren: Kapital = 100 € x 1,065^10 = ca. 188 €

Diese Beispielrechnungen beachten der Einfachheit halber nicht den Einfluss der Inflation. Diese kann dafür sorgen, dass 188€ in zehn Jahren weniger Kaufkraft besitzen als heute.

Wenn du das Geld inklusive Zinsen weitere 10 Jahre anlegst, dann ergeben sich:

Nach 20 Jahren: Kapital = 100€ x 1,065^20 = ca. 352€

Der Vergleich mit dem einfachen Zins macht den Zinseszinseffekt nach dieser Zeit besonders deutlich:

  • Einfacher Zinseffekt: Kapital = 100€ + 20 x 6,50€ = 230€
  • Zinseszinseffekt: Kapital = 100€ + 252€ = 352€

Wie du erkennst, ergeben sich nach 20 Jahren zwischen dem einfachen Zinseffekt und dem Zinseszinseffekt 122€ Differenz (oder +53% Rendite inkl. Zinseszins).

Natürlich sind 352€ noch kein großes Vermögen. Mit diesem Beispiel wollten wir dir lediglich die Funktionsweise des Zinseszinseffekts erklären.

Lass uns jetzt noch einmal mit realistischen Zahlen rechnen. In diesem Beispiel erkennst du, wie groß der Vermögensunterschied von Sparern und Investoren sein kann. Nach 40 Jahren liegt dieser bei ca. 86.000€.

Ganz ehrlich, zu welcher der Gruppen möchtest du gehören?

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Annahmen: Sparintervall (monatlich); Einzahlungsart (am Anfang des Monats); ohne Berücksichtigung von Steuern

Zeit ist Geld – oder sogar noch wertvoller

Zeit ist der beste Freund eines Anlegers:

  1. Bei einem längeren Anlagehorizont kannst du höhere Risiken eingehen und damit verbunden auch höhere durchschnittliche Renditen erzielen. Krisenphasen an den Märkten sitzt du einfach aus.
  2. Je länger du investierst, desto stärker wirkt sich der Zinseszinseffekt auf dein Vermögen aus.

Jetzt wird es wichtig.

Lass uns im nächsten Beispiel einmal auf die Rolle des Faktors Zeit beim Investieren blicken.

Unsere Annahme ist, dass du mit 65 Jahren eine halbe Million (500.000€) haben möchtest.

Die folgende Grafik zeigt, wie viel Geld du dafür monatlich anlegen musst, wenn du im Alter von 55, 45, 35 oder 25 Jahren anfängst zu investieren. Wir haben bei den Berechnungen mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,5% kalkuliert (MSCI World-ETF).

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Annahmen: 6,5% Rendite (MSCI World); Sparintervall (monatlich); Einzahlungsart (am Anfang des Monats); ohne Berücksichtigung von Steuern

Wenn du erst im Alter von 55 Jahren anfängst zu investieren, müsstest du jeden Monat eine Summe von 2.983€ einzahlen, um 10 Jahre später mit 65 im Besitz deiner halben Million € zu sein. Insgesamt würdest du also etwa 358.000€ investieren, um das Ziel zu erreichen. 

Wenn du mit 45 Jahren anfängst, sinkt deine monatliche Investitionsrate auf 1.037€. Letztendlich investierst du so insgesamt etwas weniger als 249.000€, um am Ende einen Betrag von 500.000€ zu erzielen. 10 Jahre mehr Zeit verschaffen dir also schon einen Vorteil von über 100.000€, um am Ende auf dieselbe Summe zu kommen (358.000€ insgesamt eingezahlt über 10 Jahre vs. 249.000€ eingezahlt über 20 Jahre).

Wenn du mit 35 Jahren anfängst zu investieren, musst du monatlich nur noch 466€ zur Seite legen, was zu einer kompletten Investition von ungefähr 168.000€ führen würde, und somit zu einem Gewinn von deutlich über 300.000€. 

Solltest du sogar schon mit 25 Jahren beginnen, brauchst du “nur” 229€ pro Monat (Gesamtinvestition von ca. 110.000€), um an deinem 65. Geburtstag 500.000€ zu besitzen. 

Je früher du also anfängst Geld anzulegen, desto weniger Auswirkungen wird das Investieren auf deine Ausgabegewohnheiten haben. 

Jetzt weißt du auch, woher das Sprichwort “Zeit ist Geld” kommt. 

Willst du auch deine Finanzen meistern und stressfrei Vermögen aufbauen?

Mit wertvollen Tipps & Tricks aus unserem Leben nehmen wir dich an die Hand und durchlaufen gemeinsam die Welt der Finanzen. Jeden Donnerstag um 18 Uhr in deinem Posteingang.

Lass deine finanzielle Zukunft nicht an dir vorbeiziehen

Geldanlage ist die bewährteste Methode zum Aufbau von Vermögen.

Du kannst dein Einkommen jedes Jahr steigern, doch wenn du die Mehreinnahmen nicht investierst, liegt dein Geld nur ungenutzt herum, während das Vermögen anderer zunimmt.

Löse dich von der sogenannten Sparer-DNA.

Eine Reise nach Hawaii, ein neues Auto oder ein eigenes Segelboot: Für die meisten Menschen ist es eine große Hürde, in die eigene Zukunft zu investieren und auf gegenwärtigen Konsum zu verzichten.

Doch wenn du es schaffst, finanziell vernünftiger zu werden, indem du dir die Auswirkungen früher Investments anhand unserer Beispiele klarmachst, dann wirst du deine finanzielle Unabhängigkeit viel schneller erreichen.

Die folgenden Tipps möchten wir dir zum Abschluss noch an die Hand geben:

  • Es gibt keinen besseren Zeitpunkt mit dem Investieren zu beginnen als jetzt. Mit einem kleinen Betrag von 25€ kannst du bereits in 40 Jahren ein richtiges Vermögen aufbauen, wenn du früh genug beginnst und die Wirkung des Zinseszinses zu deinem Vorteil nutzt.
  • Wenn du der Meinung bist, dass dir am Ende des Monats kein Geld zum Investieren übrig bleibt, erstelle einen Haushaltsplan, um Einsparpotenziale zu identifizieren. Unsere Excel Haushaltsbuch Vorlage hilft dir dabei.
  • Kleinvieh macht auch Mist, 20 – 30€ im Monat zur Seite zu legen, ist schon mal ein guter Anfang. Lege das Ersparte in dein Notfallkonto oder bediene damit monatlich einen ETF-Sparplan. Das geht bereits ab 25€.
  • Wenn es dir schwerfällt, monatlich zu sparen, versuche dein Sparverhalten zu automatisieren, indem du von deinem Einkommen einen gewissen Betrag per Dauerauftrag auf ein zweites Konto überweist. Sehe Sparen nicht als Verzicht, sondern als eine Art Belohnung. Du zahlst dir jeden Monat selbst etwas aus. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zum Thema Private Finanzen Verwalten.

Investieren und Zeit: Die häufigsten Fragen

Zeit ist Geld. Diesen berühmten Satz hat Benjamin Franklin (1706-1790) geprägt. Franklin war nicht nur Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Erfinder (unter anderem des Blitzableiters), sondern auch einer der Gründerväter der USA. Das Zitat stammt aus seinem Buch „Ratgeber für junge Kaufleute“.

Zinseszins ist im Finanzwesen ein fälliger Zins, der dem Kapital hinzugefügt (kapitalisiert) und künftig zum geltenden Zinssatz zusammen mit dem Kapital verzinst wird.

Der Zinseszinseffekt wird durch das umgehende reinvestieren oder thesaurieren der Zinsbeträge (Dividenden) erzielt: Angelegtes Kapital wächst somit schneller, da Zinsen (Dividenden) umgehend und verzinst ausgezahlt werden.

Das Geld, das wir zur Verfügung haben, verliert mit der Zeit an Wert. Der Begriff Inflation entstammt dem Lateinischen "inflare" und bedeutet so viel wie aufblähen. Steigt das Preisniveau anhaltend, verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Die Teuerung führt dazu, dass ein Euro weniger wert ist. Je früher du anfängst zu investieren, desto schneller kannst du dem "Entwertungseffekt" entkommen.

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