Kredit umschulden: Wie sinnvoll ist es (inkl. Rechner)

Carlos | Oktober 2020 | 5 Minuten

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Das Wichtigste in Kürze:
  • Das Niedrigzinsumfeld ist für Anleger zwar weniger attraktiv, Kreditnehmer können hingegen von besseren Konditionen profitieren
  • Einen Kredit umschulden kannst du jederzeit
  • Die Umschuldung lohnt sich prinzipiell erst ab größeren Beträgen (>1.000 Euro) und ist nur dann sinnvoll, wenn unter Berücksichtigung aller Kosten deine Einsparungen den Aufwand rechtfertigen
  • Wenn du einen 10.000 Euro Kredit umschulden willst, sind Zins-Ersparnisse von mehreren Hundert Euro möglich.

176,90 Milliarden Euro. So groß ist das Volumen an Ratenkrediten zum 30. Juni 2020, das von Banken an private Haushalte in Deutschland vergeben wurde.

In den meisten Fällen wird der Kredit abgeschlossen und anschließend konsequent abbezahlt, bis keine Restschuld mehr übrigbleibt. Finanziell betrachtet, ist das in vielen Fällen die falsche Entscheidung.

Wer Ratenkredite einfach laufen lässt, bis sie abbezahlt sind, lässt nicht selten wertvolles Sparpotenzial liegen. Gerade in Niedrigzinsphasen lohnt sich eine Umschuldung. Das bedeutet nichts anderes, als dass der alte Kredit durch einen neuen Kredit (zu besseren Zinskonditionen) abgelöst wird.

Wann genau sich eine Umschuldung für dich lohnt und worauf du achten solltest, erfährst du in diesem kompakten Ratgeber.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Grundsätzlich kannst du einen Ratenkredit jederzeit umschulden. Dieses Recht wurde in der EU-Verbraucherrichtlinie geregelt und gilt für alle Kreditverträge, die nach dem 11. Juni 2010 abgeschlossen wurden.

Pauschal gesagt lohnt sich eine Umschuldung für dich dann, wenn ein neuer Kredit unter Berücksichtigung aller Kosten günstiger ist als ein oder mehrere bereits laufende Kredite. 

Schau dir mal das folgende Beispiel an:

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Denk dran: Einige Banken verlangen eine Entschädigung für die frühzeitige Ablösung des alten Kredits. Ob das auf deine Bank zutrifft, ist in deinem aktuellen Kreditvertrag geregelt. Diese (möglichen) Abschlusskosten solltest du in deine Berechnungen miteinbeziehen.

Die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung orientiert sich prozentual an der Restschuld des alten Ratenkredits. Beträgt die Restlaufzeit länger als zwölf Monate, darf die Bank maximal 1 Prozent der Restschuld von dir verlangen (Bei 5.000 Euro Restschuld: 50 Euro). 

Bei weniger als zwölf Monaten Restlaufzeit ist die Entschädigung auf maximal 0,5 Prozent beschränkt.

Wie viel Geld du genau mit deiner Umschuldung sparst, kannst du in unserem Kreditrechner nachrechnen. Dort trägst du einfach deine Eckdaten aus dem Kreditvertrag ein und schon findest du heraus, ob du deinen Kredit umschulden solltest oder nicht.

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Kredit umschulden: So funktioniert's

Eine Umschuldung kostet dich zwar Zeit, ist aber gar nicht mal so schwer. Außerdem kannst du in den meisten Fällen Hunderte von Euro sparen.

Das ist nicht übel, wenn Weihnachten vor der Tür steht oder du für die nächste große Reise nach Südamerika sparst.

Mach’s dir leicht und folge einfach den folgenden drei Schritten.

Schritt 1: Verschaffe dir einen Überblick über deine Restschuld und Ablösegebühren

Starte mit einem Überblick. 

Verschaffe dir eine detaillierte Übersicht über die Restschuld des Kredits oder der Kredite, die du mit der Umschuldung ablösen möchtest.

Denk dran von deiner Bank eine sogenannte Ablösebescheinigung zu verlangen. Das ist ein Dokument, in dem alle relevanten Informationen zum laufenden Kredit drinstehen. Sie gibt dir zudem Auskunft über die anfallenden Kosten, solltest du dich für eine frühzeitige Ablösung entscheiden.

Zudem beschleunigst du mit der Ablösebescheinigung den Umschuldungsprozess enorm. Du kannst sie nämlich der neuen Bank überreichen, die dadurch wertvolle Zeit und Ressourcen spart – eine klassische Win/Win-Situation.

So könnte eine beispielhafte Schuldenübersicht aussehen:

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Schritt 2: Vergleiche verschiedene Kreditangebote miteinander

Schnapp dir nicht das erstbeste Angebot der Hausbank von nebenan. 

Nimm dir die Zeit und nutze Online-Vergleichsportale um nach der Bank mit den besten Konditionen für deine Lebenssituation zu suchen. Das Ganze nimmt durch die Eingabe deiner persönlichen Daten (es werden zur Bewertung viele Informationen abgefragt) ein wenig Zeit in Anspruch. 

Der Aufwand kann sich in jedem Fall auszahlen. Achte darauf, dass du sämtliche Informationen über zusätzliche Einkünfte, Darlehen und Zahlungen – zum Beispiel Kindergeld oder Unterhalt – parat hast.

Stelle zudem sicher, dass du immer die gleichen Daten angibst. Nur so erhältst du valide Ergebnisse, auf deren Basis du eine vernünftige Entscheidung treffen kannst. 

Wir empfehlen dir möglichst viele Kreditangebote miteinander zu vergleichen, denn die Konditionen können stark von Bank zu Bank abweichen. Falls du verheiratet bist, macht es Sinn deine/n Partner/in anzugeben – das kann sich positiv auf deine Bonität auswirken und verbessert logischerweise deine Zinskonditionen.

Vergleichsplattformen

finanzcheck.com-logo

Gegründet: 2011

Mitarbeiter: ca. 300

Vergleiche: Der Fokus liegt auf unterschiedlichen Kreditarten (Autokredit, Ratenkredit etc.).

verivox-logo

Gegründet: 1998

Mitarbeiter: ca. 500

Vergleiche: Finanzen, Versicherungen, Energie, Handy, Internet, Immobilien, Geldanlage

Logo_Check24

Gegründet: 1999

Mitarbeiter: ca. 1.000

Vergleiche: Finanzen, Versicherungen, Energie, Reisen, Handy, Internet & Mobilität

Denk dran: Die Auswahl einer neuen Laufzeit hat direkten Einfluss auf deine monatlichen Ratenzahlungen. Nutze in jedem Fall ein Haushaltsbuch, um dir vorher einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen.

Anhand des monatlichen Überschusses kannst du in etwa abschätzen, ob du in der Lage bist die Raten zu zahlen.

Von dem monatlichen Überschuss solltest du maximal 40 Prozent für die Kreditrückzahlungen aufwenden – an dieser Daumenregel kannst du deine Laufzeit anpassen.

Schritt 3: Alten Kredit kündigen und neuen Kredit abschließen

Hast du ein passendes Angebot gefunden? Perfekt. 

Jetzt kannst du den neuen Kredit abschließen.

Kläre in jedem Fall mit der neuen Bank, ob sie sich um die Kündigung der alten Kredite kümmert oder ob du das machen musst. Das ist von Bank zu Bank verschieden. Gerade hier lohnt sich die oben angesprochene Ablösebescheinigung, da sie der Bank direkt einen exakten Überblick über den abzulösenden Kredit gibt. 

Der ganze Prozess kann alleine durch dieses Dokument von mehreren Wochen auf wenige Tage reduziert werden – das würde ich mir nicht entgehen lassen.

Sobald der neue Kredit ausgezahlt ist, kannst du deine Restschuld bei der alten Bank begleichen. Du hast es geschafft.

Die Kreditsumme sollte mindestens so hoch sein wie die der Restschuld. Hast du aktuell Geld übrig, dass du weder zur privaten Altersvorsorge noch als Rücklage brauchst, dann kannst du die Kreditsumme um diesen Betrag auch kürzen. 

Mach dir vorher ausreichende Gedanken darüber und verschaffe dir einen Überblick über deine persönliche Finanzsituation.

Vorteile und Nachteile einer Umschuldung

Den größten Vorteil einer Kreditumschuldung haben wir oben bereits erwähnt.

Durch die niedrigen Zinsen kannst du im Laufe der Jahre eine Menge an Zinskosten einsparen. Aber auch andere Vorteile können durch eine Umschuldung entstehen. 

Wir haben die wichtigsten für dich zusammengefasst.

Vorteile einer Umschuldung

Du reduzierst deine finanzielle Belastung

Durch die besseren Zinskonditionen kannst du deine monatliche Rate reduzieren und tilgst trotzdem im gleichen Tempo weiter wie vorher. Das verschafft dir mehr finanziellen Spielraum, um beispielweise deine private Altersvorsorge aufzubauen.

Du erhältst einen besseren Überblick

Ein Vorteil, der oft unterschätzt wird, ist die Kontrolle, die du durch die Umschuldung gewinnst. Musstest du vorher beispielsweise drei Kredite abbezahlen, so kannst du sie in einem Kredit zusammenfassen. Das bringt deutlich mehr Übersichtlichkeit in deine Finanzen. 

Der andere Vorteil ist, dass du dadurch deinen Schufa-Score optimieren kannst. Je weniger Kredite bei der Schufa auf deinem Namen registriert sind, desto besser für deine Bonität.

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Du bist schneller schuldenfrei 

Deine Monatsrate bleibt gleich, aber die Zinskosten sinken. Das beschleunigt den gesamten Tilgungsprozess und du bist schneller wieder schuldenfrei – und das obwohl sich an der monatlichen Rate nichts geändert hat.

Nachteile einer Umschuldung

Du wirst Zeit in den Umschuldungsprozess investieren 

Die Umschuldung kostet dich Zeit, das solltest du nicht vergessen. Das Vergleichen neuer Angebote, die Kündigung bei der alten Bank und der Abschluss des neuen Kredits können sich über mehrere Wochen hinwegziehen. Durch die Zinsersparnis kann sich das Ganze jedoch für dich finanziell lohnen.

Die Bank wird ein neue Bonitätsprüfung einleiten 

Ein neuer Kredit bedeutet auch eine neue Bonitätsprüfung. Die neue Bank will sicher gehen, dass du solvent und in der Lage bist, den neuen Kredit abzubezahlen.

Die Kosten einer Vorfälligkeitsentschädigung musst du tragen

Wie bereits erwähnt, können bei der Ablösung des alten Kreditvertrags Kosten entstehen. Prüfe wie hoch die Belastung sein wird und ob sich die Umschuldung in deinem konkreten Fall trotzdem lohnt. Aber mal Hand aufs Herz: das wird sie in den meisten Fällen.

Fazit

Aus eigener Erfahrung überwiegen die Vorteile in den meisten Fällen. Prüfe jedoch vor jeder Umschuldung genau, wie sich die Entscheidung auf deine finanzielle Situation auswirkt. Das ist sehr wichtig.

Dafür kannst du beispielsweise unseren kostenlosen Excel-Kreditrechner nutzen.

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Kredit umschulden - FAQ

Eine Umschuldung kann im Allgemeinen jederzeit durchgeführt werden, sofern der Darlehensvertrag noch vor dem 11. Juni 2010 abgeschlossen wurde. Allerdings ist es unter Umständen möglich, dass eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung beglichen werden muss.

Die Einsparungen, die bei einer Umschuldung entstehen sind sehr verlockend. In vielen Fällen lohnt sie sich trotzdem nicht. Das ist meistens der Fall, wenn die Restschuld weniger als 1.000 Euro beträgt oder wenn die Ersparnis der Umschuldung sehr klein ausfällt. In diesem Fällen lohnt sich der zeitliche Aufwand nicht. Das ist am Ende des Tages jedoch eine persönliche Entscheidung, die du treffen musst.

Handelt es sich bei dir um einen kurzen finanziellen Engpass, dann ist alles gut. Ist jedoch nicht abzusehen, dass du in naher Zukunft aus dem Dispo rauskommst, dann solltest du dringend umschulden. Damit senkst du deine Zinskosten erheblich - im Normalfall von einem zweistelligen in einen einstelligen Sollzins.

Bei Baufinanzierungen kommen noch Kosten für den Notar und die Grundbucheintragung hinzu. In manchen Fällen werden diese Kosten von der neuen Bank als eine Art "Neukundenbonus" getragen - das kann ein wichtiger Entscheidungsfaktor sein. Nachfragen lohnt sich.

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