Diversifikation: Risikostreuung einfach erklärt (2021)

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Carlos | | 4 Minuten

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Die gleiche Rendite, bei weniger Risiko – geht das? Absolut. Mit einer breiten Streuung deiner Geldanlage kannst du weiterhin Vermögen aufbauen, ohne große Klumpenrisiken einzugehen.

Diversifikation ist das einzige „free lunch“ beim Investieren. Dieser Satz stammt von keinem geringeren als Harry Markowitz – dem Urvater der Diversifikation.

Wenn du dir einmal die Portfolien der erfolgreichsten Anleger unserer Zeit anschaust, wird dir schnell eine Gemeinsamkeit auffallen. Diese Menschen investieren selten in einzelne Unternehmen – sondern in eine breite Auswahl an Unternehmen und Anlageklassen, die über den gesamten Globus gestreut sind.

Was genau Diversifikation ist und wie du sie für dich nutzen kannst, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Diversifikation?

Diversifikation steht für Streuung. In der Finanzwelt sprechen wir von der sogenannten Risikostreuung. Du musst dir das Ganze folgendermaßen vorstellen:

Stell dir einmal vor du kaufst eine Volkswagen-Aktie. Der nachfolgende Chart zeigt dir die Entwicklung der Aktie seit Ende 2015. Wie du siehst, ist der Verlauf alles andere als stabil. Die Kursentwicklung bewegt sich auf und ab.

Diese Bewegungen bezeichnet die Wirtschaftswissenschaft als Volatilität oder Risiko.

Jetzt kommt die Diversifikation ins Spiel. Jedes Unternehmen und logischerweise auch jedes Wertpapier reagiert auf unterschiedliche Einflussfaktoren. Eine politische Entscheidung kann z.B. den Automobilmarkt negativ beeinflussen, dafür aber den E-Commerce Markt bestärken.

Hast du als Anleger beide Aktien im Depot, gleichen sich die gegenseitigen Kursentwicklungen aus. Bist du hingegen zu 100% in Automobil-Aktien investiert, dann wirst du hohe Schwankungen ertragen müssen.

Je breiter du in deinem Portfolio streust, desto geringer ist dein Klumpenrisiko – und demnach auch deine Schwankungen.

Wichtig: Was ist Korrelation?

Eine positive Korrelation zwischen zwei Aktien bedeutet, dass  sich der Kurs der einen Aktie erhöht, wenn der Kurs der anderen Aktie steigt.

Beim Diversifizieren gilt: Je niedriger die Korrelation, desto besser – ansonsten greift der Effekt nicht. Wenn z.B. eine Aktie um 50% sinkt und die andere Aktie dank einer negativen Korrelation um 100% steigt, gleichen sich die Verluste in deinem Depot aus. 

Wie kannst du deine Investments diversifizieren?

Du kannst deine Geldanlage auf verschiedene Arten diversifizieren.

Ob Anleihen, Aktien, Rohstoffe oder Immobilien – du solltest innerhalb einer Anlageklasse immer breit streuen. Nur in eine einzelne Aktie zu investieren birgt große Klumpenrisiken. Du machst deinen Vermögensaufbau in dem Fall nur von einem Unternehmen abhängig.

Denk dran: Selbst solide Unternehmen können von heute auf morgen in Schwierigkeiten geraten.

Du investierst ausschließlich in Aktien, bist aber breit diversifiziert? Das ist schon mal gut.

Im nächsten Schritt solltest du weitere Anlageklassen in deinen Portfolio-Mix mitaufnehmen. Aktien entwickeln sich zwar unterschiedlich, unterliegen jedoch ähnlichen Einflussfaktoren. Ein Zinsentscheid der EZB wirkt sich z.B. anders auf Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe aus wie auf Aktien.

Aus dem Grund: Je größer dein Vermögen, desto breiter solltest du deine Investments auf verschiedene Anlageklassen streuen

Nur in deutsche Unternehmen zu investieren ist auch keine wirklich gute Idee, auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich als relativ stabile Volkswirtschaft dasteht.

Wie bei einzelnen Unternehmen kann es auch einem Land plötzlich schlecht gehen. Die Covid-19-Krise hat gezeigt, das manche Regionen eine Krise besser wegstecken können als andere. Noch riskanter ist eine hohe Konzentration auf wenig entwickelte Länder, deren wirtschaftliche Entwicklung von einer hohen Volatilität geprägt ist. 

Wer hingegen global streut, geht keine regionalen Klumpenrisiken ein.

Wer ausschließlich in die Mode-Branche investiert, geht ebenfalls große Risiken ein. Gerade Branchen, die stark reguliert sind, bergen Risiken, die auf den ersten Blick unterschätzt werden.

Aus dem Grund empfehlen wir Anlegern immer dazu, breit über Branchen hinweg zu streuen. Wer in allen Branchen investiert ist, muss sich über einzelne Ausfälle keine Sorgen machen.

Beispiel: Fluggesellschaften gehörten vor einigen Jahren zu den absoluten Lieblingen von Anlegern. Alleine der Kurs der Lufthansa-Aktie hat in 2020 um 40 Prozent an Wert verloren. American Airlines erlitt sogar einen Kursverlust von 50 Prozent.

Diversifikation und Netflix

Stell dir einmal vor, Netflix und Spotify würden nur noch ein Genre bedienen. Wie glaubst du, würde es diesen Unternehmen finanziell gehen?

Richtig, nicht gut. Keines der Unternehmen kann die Präferenzen ihrer Nutzer vorhersagen. Aus dem Grund setzen sie auf eine breite Auswahl, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Das gleiche Prinzip gilt beim Vermögensaufbau.

Das 3-Stufen-Modell

Um den Einstieg in die Diversifikation zu meistern, kannst du dich am folgenden 3-Stufen-Modell orientieren.

Als Basis kommen risikolose Anlageklassen ins Spiel. Darunter fallen das Sparbuch, Tagesgeldkonto und Festgeld. Diese Anlageklassen spielen vor allem für wichtige Rücklagen (z.B. deinen Notgroschen) eine Rolle. Das Ziel ist kein Vermögensaufbau, sondern die Absicherung vor kurzfristigen finanziellen Risiken.

Mit den oben genannten Anlageklassen wirst du keine nennenswerten Erträge erzielen. Aus dem Grund solltest du mit der Zeit auf solide Renditebausteine setzen, mit denen du langfristig Vermögen aufbauen kannst.

Darunter fallen Anleihen, (Index-)Fonds, Immobilienfonds, Dividendenaktien.

Die dritte Stufe ist optional und ist besonders für Anleger geeignet, die ihr Portfolio um renditestarke Kapitalanlagen ausbauen wollen. Darunter fallen Einzelaktien, Themen-ETFs, Kryptowährungen oder P2P-Kredite.

Diese Anlagen tragen höhere Risiken und sollten aus dem Grund nur mit Bedacht und in einer kleinen Gewichtung in deinem Portfolio landen.

Breite Streuung und ETFs

Was hat Diversifikation mit ETFs zu tun? So einiges.

Als es noch keine ETFs gab, musstest du dir dein Portfolio mit einzelnen Aktien zusammenstellen. Das hat viel Aufwand, Zeit und vor allem Geld gekostet. ETFs sind erst seit 2008/09 in den Fokus der Anleger gerückt.

Kein Wunder, dass um die Jahrtausendwende herum ganze Altersvorsorgen an Telekom-Aktien gebunden wurden (Dotcom-Blase).

Was sind ETFs?

ETFs sind sogenannte Indexfonds, welche die Entwicklung eines Indizes abbilden. Das könnte z.B. die Entwicklung des DAX sein. Anstatt also jede einzelne Aktie im DAX zu kaufen, kannst du die Wertentwicklung mit nur einem ETF tracken (sog. Indexing).

Der große Vorteil an ETFs sind die Kosten. Dadurch, dass du mit bereits einem Kauf einen großen Diversifikationseffekt erzielst, sparst du viele Gebühren.

Mit ETFs kannst du alleine mit einem Kauf in den globalen Aktienmarkt investieren und eine Anlageklasse abdecken. Ein weiterer ETF auf Anleihen, Rohstoffe und Immobilien und du hast ein breit gestreutes ETF-Portfolio aufgebaut.

Als Anleger musst du dir keine Gedanken mehr darüber machen, welches Unternehmen in dein Depot soll und welches nicht. Die Zukunft kann sowieso niemand vorhersehen. Wer dem Markt passiv folgt, erzielt langfristig die besten Anlageergebnisse. 

Das haben zahlreiche Studien gezeigt.

Wie genau du dir ein ETF-Portfolio aufbauen kannst, erfährst du in unseren Ratgebern.

Optimale Streuung für dein ETF-Portfolio

Wie breit du deine Investments streust, ist abhängig von deinem Risikoprofil. Aktien sind historisch betrachtet die volatilste Anlageklasse. Dafür bieten sie dir auch die größten Renditechancen.

Je höher deine Risikotoleranz, desto höher darf deine Aktienquote sein. Setz die Aktienquote, gerade wenn du ein Börsenneuling bist, niedriger an. Damit vermeidest du, dass du deine Risikotragfähigkeit überschätzt.

Die meisten Anleger sind nämlich gerade dann, wenn es an den Börsen besonders gut läuft, zu optimistisch und setzen auf hohe Aktienquoten. Steigen die Turbulenzen, dann setzen die Emotionen ein – und das kann teuer werden.

Wichtiger Hinweis: Je höher dein angelegtes Vermögen, desto stärker machen sich prozentuale Veränderungen bemerkbar. Aus dem Grund solltest du mit steigendem Depotvolumen auch deine Diversifikation anpassen.

Diversifikation in der Praxis

Angenommen ein Anleger hat die folgende finanzielle Ausgangslage:

Geldvermögen
30.000€
Kreditkarten
5.000€
Notgroschen
1.000€

Nachdem er seinen Notgroschen um 9.000 Euro aufgebaut und seine Kreditschulden losgeworden ist, stellt sich ihm die Frage, wie er seine restlichen 16.000 Euro investieren kann.

Um möglichst breit zu streuen, entscheidet er sich für folgende Allokation:

  • einen ETF auf einen globalen Aktienindex (MSCI-World ACWI)
  • einen ETF auf europäische Staatsanleihen
  • einen ETF auf den globalen Immobilienmarkt
  • und einen ETC auf Gold zur Absicherung

Mit dieser Vermögensverteilung gelingt ihm eine ausgewogene Diversifikation, ohne dass Klumpenrisiken eingegangen werden.

Wichtiger Hinweis: Du musst kein hohes Vermögen besitzen, um mit dem Investieren zu starten. Sämtliche Broker bieten heutzutage kostengünstige ETF-Sparpläne an, die bereits ab 10 Euro im Monat besparen kannst. Denk immer schön an den Zinseszinseffekt.

Diversifikation - FAQ

Nicht zwangsläufig. An erster Stelle bedeutet Diversifikation, dass du deine Risiken auf mehrere Standbeine verteilst. Rein mathematisch gesehen hättest du in den vergangenen Jahren mit einem reinen Aktienportfolio die beste Performance erzielt.

Das Problem: Die wenigsten Anleger kommen mit der Volatilität eines Portfolios zurecht, dass zu 100% aus Aktien besteht. Das führt dazu, dass diese Anleger bei Turbulenzen an den Börsen ihre Aktien zu ungünstigen Kursen verkaufen. Dadurch verlieren sie viel Rendite.

Wert breit gestreut hat, unterliegt weniger Schwankungen. Dadurch sinkt der Anreiz sich von seinen Wertpapieren zu trennen. Das wiederum führt langfristig zu einer höheren Rendite.

Absolut. Nehmen wir einmal an du investierst in den MSCI-World Index. Dieser Index deckt den globalen Aktienmarkt ab.

Wenn du zusätzlich noch in Apple, Facebook und Microsoft Aktien investierst, doppelst du deine Positionen, da diese Unternehmen im Index schon enthalten sind. Das kann deiner Diversifikation schaden.

Das kommt ganz auf deine Risikotragfähigkeit an. Wer ein solides ETF-Portfolio aufbauen möchte, kann dies bereits mit 3-4 ETFs tun.

Dafür hast du verschiedene Möglichkeiten. Schau dir am besten unser ETF-Portfolio Tool an.

Dort findest du die wichtigsten Musterportfolios.

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