ETF-Portfolio aufbauen in 3 Schritten (2020)

Carlos | September 2020 | 5 Minuten

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Das Wichtigste in Kürze:
  • Wer ein ETF-Portfolio aufbauen möchte, sollte sich im ersten Schritt seiner Anlageziele bewusst werden
  • Achte beim Aufbau deines Portfolios auf eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen
  • Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und Liquidität sind die Basis für eine solide Geldanlage

Die Anzahl an Anlagestrategien und Portfoliomodellen, die du nutzen kannst, um dein Geld zu investieren, ist riesig. Einige davon sind sogar ziemlich einschüchternd.

Zum einen, weil sie auf komplexe Bewertungsmethoden zurückgreifen, die man als Laie erstmal erlernen muss. Zum anderen kosten sie Zeit, Aufmerksamkeit und Nerven.

Gibt es „bequeme“ Alternativen?

Na klar!

Ich werde dir in diesem Leitfaden Schritt für Schritt zeigen, wie du ein Portfolio aufbaust, das zu dir passt. Dabei werden wir gezielt auf die drei wichtigsten Fragen eingehen, die du dir stellen solltest, bevor du dein Depot eröffnest und mit dem Investieren loslegst:

  • Was ist dein Anlageziel?
  • Wie groß ist dein Anlagehorizont?
  • Wie viel Risiko kannst du tragen?

Merke dir: Wenn du diese drei Fragen ehrlich beantwortest, hast du fast schon ein passendes Portfolio für dich gefunden.

Lass uns loslegen.

Was ist ein Portfolio?

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie du dein Portfolio aufbaust, wollen wir erstmal klären, was eigentlich unter dem Begriff „Portfolio“ zu verstehen ist.

Wikipedia definiert Portfolio als „Sammelmappe mit Bewerbungsunterlagen, insbesondere Kunstwerken oder Fotos“.

Aber auch im Zusammenhang mit Produkten oder Marken wird der Begriff oft verwandt.

Wie passt das zu unserem Thema?

Wir wollen uns mit Portfolios beschäftigen, die einen Korb von Geldanlagen beschreiben. Hier können wir unterscheiden: Handelt es sich um ein Bündel von Wertpapieren, sprechen wir von einem Wertpapierportfolio. Besitzt du mehrere Immobilien, dann hast du ein Immobilienportfolio.

Wie du es auch ausdrückst, am Ende soll dein Portfolio deine Vermögensanlagen umfassen und dir zeigen, wie und wo du dein Geld investiert hast.

Was wir nicht zu deinem Portfolio hinzuzählen wollen, sind Werte, die vorrangig Konsum darstellen, d.h. die nicht den Zweck verfolgen, ein zusätzliches passives Einkommen durch Zinsen, Mieten oder Wertsteigerungen zu erzielen.

Damit kommen wir zum nächsten Thema: deinem Anlageziel.

Was ist dein Anlageziel?

Häufig erlebt man es, dass Anleger ihrem Berater Depotübersichten vorlegen und fragen, ob sie in die richtigen Anlagen investiert haben. Als ob es Anlageprodukte gibt, die gut oder schlecht sind.

Das kann man aber nur sehr eingeschränkt sagen.

Wenn sehr hohe Kosten mit dem Produkt verbunden sind, dann ist es tatsächlich ein schlechtes Produkt. Liegen die Kosten jedoch im normalen Bereich, dann ist für die individuelle Anlagestrategie entscheidend, ob das Produkt gut oder schlecht ist. Es kommt schließlich darauf an, was man erreichen möchte.

Lass mich das kurz anhand eines fiktiven Autokaufs verdeutlichen:

Ein VW Touran ist im Vergleich mit einem Porsche 911 weder das bessere, noch das schlechtere Auto.

Es kommt darauf an, wofür du das Auto verwenden willst. Als Familienauto ist der Touran sicherlich besser geeignet als der Porsche. Dieser wiederum ist die bessere Wahl, wenn du (als Single) auf schnelle Fahrten und den ultimativen Adrenalinkick stehst. Genauso sind Aktien per se nicht ein besseres Investment als Anleihen.

Um eine Geldanlage bewerten zu können, müssen wir zunächst beurteilen, ob sie zum Erreichen der persönlichen Anlageziele geeignet ist. Dafür müssen wir das Anlageziel kennen.

Meine Erfahrung zeigt, dass hier oft ein blinder Fleck bei Anlegern, besonders bei Einsteigern, besteht.

So findest du dein Anlageziel

Wenn du noch kein Anlageziel für dich definiert hast, hilft dir das Ausschlussprinzip.

Kein Anlageziel ist zum Beispiel: „Eine sehr hohe Rendite bei geringem Risiko“. Das ist vielmehr ein Wunsch – und zwar ein sehr unrealistischer.

Willst du hohe Renditen erzielen, dann musst du auch bereit sein, erhöhte Risiken einzugehen. Bevorzugst du wiederum Sicherheit, dann solltest du in dem Fall nicht mit hohen Renditen rechnen.

Das Magische Dreieck der Geldanlage verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit:

Falls du jetzt denkst, dass dann wohl „hohe Renditen“ dein Anlageziel sind, dann hast du auch hier nicht ganz recht. 

Wofür willst du hohe Renditen? Was ist „hoch“? Welchen Zweck verfolgst du?

Um nochmal zum Autobeispiel zurückzukehren: Das ist etwa so, als würdest du sagen, dass du ein Auto willst, das möglichst schnell fahren kann. Und auch hier stellt sich sofort die Frage: Wozu willst du denn schnell fahren? Für den Nervenkitzel auf der Autobahn, weil du an Autorennen teilnehmen möchtest, oder weil du beruflich viel unterwegs bist und es dabei oft eilig hast?

Ein sinnvolles Anlageziel kann hingegen lauten:

„Ich will in 15 Jahren ein Eigenheim kaufen, wofür ich noch 150.000 Euro benötige.“

oder

„Mit 55 Jahren will ich von meinem Vermögen leben und mir monatlich 1.500 Euro auszahlen können, ohne dass es dabei abschmilzt.“

Wenn du solche Eckdaten kennst, ist das super.

Jetzt kannst du nämlich mit einem einfachen Dreisatz errechnen, wie viel du anlegen und welche Rendite du erreichen musst, um dein Ziel zu erreichen.

Schauen wir uns dazu einmal Anleger A an: A ist heute 50 Jahre alt und fragt sich, wie er sein Erspartes in Höhe von 370.000 Euro anlegen soll. Als Anlageziel erklärt er, dass er sich in 15 Jahren zur Ruhe setzen will. Dazu wird er 1.500 Euro pro Monat zusätzlich neben seinen sonstigen Rentenbezügen brauchen.

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Folge diesen Schritten bei der Geldanlage. Überspringen ist nicht erlaubt!

Das führt uns zur nächsten Frage: Wie lang ist der Anlagehorizont? Sind es im Beispiel von Anleger A wirklich die 15 Jahre bis zu seiner Rente?

Was ist dein Anlagehorizont?

Der Anlagehorizont entspricht dem Zeitraum, in dem du aller Voraussicht nach dein Geld entbehren kannst.

Das ist eine der zentralen Fragen bei der Vermögensanlage.

Denn: der Anlagezeitraum beeinflusst die Wahl der Anlageform und damit die Renditechancen.

Allgemein wird zwischen kurz-, mittel- und langfristiger Anlagedauer unterschieden. 

Planst du nächstes Jahr eine Urlaubsreise, für die du heute sparst? Dann ist dein Anlagezeitraum hier wesentlich kürzer, als wenn  du Vermögen für die Altersvorsorge aufbauen willst. Als kurzfristig gelten Geldanlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Monaten, als mittelfristig zwischen einem und sechs Jahren. 

Eine darüber hinaus gehende Dauer wird als langfristig bezeichnet.

Welche Anlageklassen eignen sich für welchen Anlagehorizont?

Bei kurzfristigen Geldanlagen stehen die Verfügbarkeit und Sicherheit klar im Vordergrund. Die Frage nach der Rendite hingegen tritt in den Hintergrund. Anlageformen für kurze Zeiträume sind z. B. das Tagesgeldkonto oder Geldmarktpapiere.

Sparst du auf ein mittelfristiges Ziel, sollte die Frage nach der Rendite stärker in den Fokus rücken. Eine ausgewogene Mischung zwischen Renditechance, Sicherheit und Verfügbarkeit deines angelegten Geldes ist wahrscheinlich die beste Wahl. 

Neben defensiven Anlagen wie festverzinslichen Wertpapieren mit mittleren Laufzeiten kommen auch Aktien in Frage. Dazu eignen sich ETFs hervorragend, die ihre Anlagen breit streuen und im Regelfall nicht so stark schwanken wie Einzelaktien.

Bei einem langfristigen Planungshorizont kommen für den Anleger auch Investments in Betracht, die zwar stärker schwanken können, aber die Chance auf eine attraktive Rendite ermöglichen. Die Verfügbarkeit spielt in diesem Fall eine untergeordnete Rolle. Hast du einen langfristigen Anlagehorizont, kommen für dich in einem größeren Umfang Aktien in Frage, aber auch Rohstoff- und Immobilieninvestments.

Für unseren Anleger A ist der Anlagehorizont als langfristig zu betrachten.

Er benötigt das Geld voraussichtlich nicht vor seiner Rente. Und auch nach Renteneintritt kann der Teil seines Vermögens angelegt bleiben, den er sich nicht monatlich auszahlt. Sofern er mit einem Kapitalverzehr leben kann, wird er mit 65 Jahren ein Vermögen von etwa 550.000 Euro benötigen. Dann kann er einmal im Jahr seine Monatsentnahmen um 1,5% anheben und das Geld reicht mindestens bis zu seinem 95. Lebensjahr.

Bezogen auf das Zielvermögen von 550.000 Euro, das Anleger A in 15 Jahren benötigt, muss seine Geldanlage im Durchschnitt eine Rendite von 2,9% pro Jahr abwerfen. Das ist nicht besonders viel, aber auch nicht komplett risikolos zu erreichen.

Was in diesem Zusammenhang „Risiko“ bedeutet, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Exkurs: Was ist Rendite?

Rendite beschreibt den Gewinn oder Verlust einer getätigten Kapitalanlage nach Kosten in Prozent – gewöhnlich auf Sicht eines Jahres. Dabei stellt die Rendite die Wertveränderung im Verhältnis zum eingesetzten Kapital dar. Dabei ist es egal, ob Gewinne durch Dividenden, Zinsen oder Kurssteigerungen entstehen.

Ein Beispiel:

Anlagesumme: 10.000 Euro
Dividenden: 100 Euro
Portfoliowert nach 1. Jahr: 10.500 Euro
Rendite: 6,00 %
Berechnung: ((10.500 Euro + 100 Euro)/10.000 Euro -1 )*100 = 6,00 %

Wie viel Risiko kannst du eingehen?

Unter Risiko wird allgemein die Möglichkeit des Eintritts künftiger Ereignisse verstanden, die nachteilige Auswirkungen wie Verluste in sich bergen.

In der Investmentbranche wird in diesem Zusammenhang oft von Volatilität gesprochen, also der Schwankungsbreite von Wertpapierpreisen.

Die Grundannahme: Schwankt der Preis, zum Beispiel einer Aktie, stärker, dann steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass der zukünftige Kurs deutlich vom aktuellen Kurs abweicht.

Sinkt das Risiko nicht, je länger der Anlagehorizont ist?

Ich sehe Risiko in der wirklichen Welt etwas anders, als es die Finanzindustrie beschreibt.

Nur weil jemand eine Investition langfristig hält, wird ihm nicht automatisch eine gute Rendite garantiert. Das Risiko in der Vermögensanlage wird leider oft stark vereinfacht ausgedrückt.

Lass uns dazu einmal ein Beispiel anschauen, welches das Risiko in der realen Welt besser beschreibt:

Sparerin S ist stolze Mutter und beabsichtigt für die Ausbildung ihres Neugeborenen zu sparen. Sie möchte dazu jedes Jahr genug Geld zur Seite legen, damit sie die Ausbildung in 20 Jahren, die heute 100.000 Euro kostet (der absolute Betrag wird aufgrund der Inflation höher sein müssen) später bezahlen kann. Wie viel sollte sie sparen und wie sollte sie das Geld investieren?

Sparerin S kann gut mit Geld umgehen und kennt sich bereits ein bisschen mit Investitionen aus. Sie hat an vielen Stellen gelesen, dass die durchschnittliche reale Rendite im Aktienmarkt auf lange Sicht großartig ist. 

Mit ihrem langfristigen Anlagehorizont kann sie zwischenzeitliche Kurseinbrüche verkraften. Eine höhere Volatilität nimmt sie daher gerne in Kauf. 

Ihre Berechnungen ergeben, dass sie mit den durchschnittlichen Renditen am Aktienmarkt 2.000 Euro pro Jahr sparen muss (jährlich ansteigend, um die Inflation auszugleichen), um die 100.000 Euro in 20 Jahren beisammen zu haben.

Das klingt nach einem vernünftigen und verantwortungsbewussten Plan, oder etwa nicht?

Unter Berücksichtigung der historischen Schwankungen der Aktienmärkte liegt der mittlere inflationsbereinigte Portfoliowert nach 20 Jahren tatsächlich bei rund 100.000 Euro, aber…

…habe ich erwähnt, dass Sparerin S ihr Kind im Jahr 1989 bekommen hat?

Jemand, der 1989 mit dem Investieren begann, wachte 20 Jahre später mit einem Portfoliowert von nur 51.000 Euro (anstatt 100.000 Euro) auf.

S hat ihr Ziel um knapp die Hälfte verfehlt.

Sie und ihr Kind stehen nun vor der Entscheidung, sich für die Ausbildung zu verschulden oder ganz darauf zu verzichten.

Am Ende bestand das Risiko nicht darin, dass das Portfolio zeitweise volatil war und schwankte.

Das wahre Risiko bestand darin, dass das Leben ihres Kindes für immer von einem Finanzplan mit hoher Unsicherheit beeinflusst wurde.

"Das Risiko wird in Lebenszielen gemessen, nicht in Standardabweichungen."

Carlos Link-Arad

Was sollte eine fürsorgliche Mutter tun? Bei der Festlegung eines finanziellen Ziels ist es hilfreich, nicht nur die durchschnittliche Anlagerendite, sondern auch die Unsicherheit bzw. das Risiko zu berücksichtigen.

Überlege dir sehr genau, was das Geldanlagerisiko für deine Lebensziele bedeutet.

Lebe in der realen Welt, verstehe die Unsicherheit und plane entsprechend.

Aus welchen Anlageklassen solltest du dein ETF-Portfolio aufbauen?

Auf dem Weg zu deinem Portfolio geht es im nächsten Schritt um die Frage, welche Anlageklassen bzw. Assetklassen du in dein Portfolio aufnehmen solltest.

Das hängt zunächst davon ab, welche Erfahrungen du bereits gesammelt hast.

Wie du gelernt hast, ist die Vermögensanlage in Instrumente des Geld- und Kapitalmarkts grundsätzlich mit Risiken verbunden, die du verstehen solltest. Wenn du noch wenig oder keine Erfahrungen mit solchen Anlagen gesammelt hast, solltest du dich zunächst über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen informieren.

Blindes Investieren ohne Verständnis für die Anlageklasse und deren Risiken ist keine gute Entscheidung.

Zu den wichtigsten Anlageklassen zählen Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, Rohstoffe und Bargeld bzw. das Geld auf deinem Giro- und Tagesgeldkonto.

Der Begriff Anlageklasse ist nicht klar definiert. Er wird in der Finanzbranche unterschiedlich verwendet.

Grundsätzlich fasst eine Anlageklasse gleichartige Wertpapiere oder Vermögensgegenstände zusammen.

Manche Segmente lassen sich aber in eine Vielzahl von Subanlageklassen unterteilen. Eine Teilmenge der Anlageklasse Aktien sind beispielsweise Emerging-Markets-Aktien, also Anteilsscheine an Unternehmen aus Schwellenländern wie Brasilien und Indien. Emerging-Markets-Aktien wiederum lassen sich aufteilen in Aktien großer, mittlerer und kleiner Unternehmen oder in einzelne Branchen.

Ob solche Unterkategorien noch eigene Anlageklassen sind, sei dahingestellt.

Meiner Auffassung nach ist von einer eigenen Anlageklasse zu sprechen, wenn sich die Eigenschaften deutlich von den Eigenschaften anderer Wertpapiere unterscheiden. Wenn etwa die Renditen von unterschiedlichen Faktoren abhängen und nur ein schwacher oder sogar negativer Zusammenhang (Korrelation) besteht.

So sind beispielsweise Schwellenländeranleihen eine eigenständige Anlageklasse, da sie zwar auch Anleihen sind wie die Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland, deren Entwicklung jedoch von ganz anderen Einflussfaktoren abhängen.

Nach diesen Prämissen unterscheide ich neun Anlageklassen, aus denen sich jeder Anleger ein Portfolio zusammenstellen kann. Sichere Anlagen stabilisieren das Portfolio, riskantere Wertpapiere sorgen für die Rendite. Der Einsatz wenig korrelierter Anlageklassen verbessert die Diversifikation im Depot.

Als Korrelation bezeichnet man den Zusammenhang bzw. die Wechselbeziehung zwischen zwei Variablen. Wenn beispielsweise Wertpapier A immer zur gleichen Zeit wie Wertpapier B steigt und fällt, spricht man von einer hohen positiven Korrelation. Wenn allerdings das Wertpapier A ganz unterschiedlich und völlig zufällig zur Entwicklung von Wertpapier B steigt und fällt, spricht man von einer niedrigen Korrelation. Nach der modernen Portfoliotheorie sind unkorrelierte Wertpapiere gut geeignet, um das Gesamtrisiko des Portfolios zu senken.

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Ziel ist es, möglichst negativ korrelierte Anlageklassen im Portfolio zu haben, um den Diversifikationseffekt zu maximieren.

Sichere Anlageklassen für die Stabilität im Portfolio

Tagesgeld (zum Teil auch Festgeld): Keine bis geringe, variable Verzinsung, dafür täglich (bis auf Festgeld) verfügbar. Innerhalb der Europäischen Union über die Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Gläubiger gesetzlich abgesichert. Keine Kursschwankungen.

Euro-Staatsanleihen: Kurzlaufende Anleihen von Eurostaaten mit einer hohen Kreditwürdigkeit sind die sichersten Wertpapiere für Anleger aus dem Euroraum. Ein Ausfall ist nahezu ausgeschlossen, die Kursschwankungen gering. Je länger die Laufzeiten, desto höher die potenziellen Kursschwankungen bei Zinsänderungen.

Riskantere Anlageklassen für die Rendite

Schwellenländeranleihen: Vorwiegend Anleihen von aufstrebenden Staaten. Gute bis schwache Bonität. Deutlich höhere Kursschwankungen als Euro-Staatsanleihen, aber geringere als Aktien. Aktienähnliche Renditechancen.

Hochverzinste Anleihen: Internationale Hochzinsanleihen von Unternehmen mit geringer Kreditwürdigkeit (Non-Investment-Grade). Höhere Kursschwankungen als Schwellenländeranleihen. Aktienähnliche Renditen.

Aktien Industrieländer: Große und mittlere Unternehmen aus entwickelten Ländern. Hohe Renditechancen, aber auch hohe Kurschwankungen. Bei Börsencrashs Verluste von mehr als 50 Prozent möglich.

Aktien Schwellenländer: Große und mittlere Unternehmen aus aufstrebenden Ländern. Etwas riskanter als Industrieländeraktien.

Immobilienaktien: Aktien von Unternehmen, die Immobilien besitzen und ihr Geld mit deren Bewirtschaftung verdienen.

Rohstoffe: Gut zur Diversifikation geeignet. Relativ hohe Risiken und lange Phasen ohne Kurssteigerungen. Keine laufenden Erträge aus Zinsen, Dividenden o.ä. zu erzielen. Zwischen Mitte 2008 und Anfang 2016 knapp 47 Prozent Verlust.

Gold: Keineswegs eine sichere Bank, wie viele meinen. Keine laufenden Erträge wie Dividenden und Zinsen. Hohe Volatilität und lange Verlustphasen. Verbessert aber die Diversifikation im Portfolio. Relativ stabil in Krisen.

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Übersicht von ETFs für unterschiedliche Anlageklassen. Die Grafik dient nicht als Anlageempfehlung, sondern lediglich zur Übersicht.

Aus wie vielen Wertpapieren sollte ein Portfolio bestehen?

Wie viele einzelne Wertpapiere du nun tatsächlich für dein Portfolio kaufen solltest, hängt davon ab, wie viel Geld du anlegen möchtest und ob du in Einzelwerte oder in ETFs, sogenannte Indexfonds, investierst.

Wir raten dir definitiv zu ETFs.

Wenn du für über Exchange Traded Funds (ETFs) investierst, kannst du eine ganze Anlageklasse mit nur einem einzelnen Wertpapier abdecken. Je mehr Indexfonds du nutzt, desto besser ist dein Rendite-Risiko-Verhältnis. Auf der anderen Seite benötigst du mehr Zeit für die Auswahl der Fonds und für die Betreuung deines Portfolios.

ETFs legen Kundengelder passiv an. Das bedeutet, dass der Fonds versucht, die Wertentwicklung eines Index möglichst genau nachzubilden. Am Beispiel des Deutschen Aktienindex investiert der DAX-ETF in die gleichen 30 Aktienwerte mit identischer Gewichtung, wie sie auch im DAX-Index enthalten sind. Auf aktive Entscheidungen, ob und wie einzelne Aktien anders gewichtet werden sollten, wird bewusst verzichtet. Dadurch können diese Fonds sehr günstig angeboten werden. Ein DAX ETF kostet nur etwa 0,16% pro Jahr und damit 90% weniger als der aktive Fonds DWS Top Dividende.

Bei Anlagesummen bis 5.000 Euro kannst du heute sehr kostengünstig mit 2-3 ETFs schon ein gutes Portfolio mit einer breiten Streuung zusammenstellen.

Wenn du mehr Geld anlegen möchtest, dann empfehle ich dir, weitere Anlageklassen mit ETFs abzubilden und in dein Portfolio aufzunehmen. Professionell verwaltete Portfolios haben oft bis zu 20 verschiedene ETFs.

Viel wichtiger als die bloße Anzahl der Wertpapiere ist allerdings, ob diese miteinander korrelieren oder nicht. Wähle also lieber weniger ETFs aus, die sich dafür aber sehr unterschiedlich verhalten. Achte auf eine breite Streuung in unterschiedliche Anlageklassen, Regionen und Sektoren.

Lass uns kurz einen Blick auf zwei beispielhafte Portfoliokonstruktionen werfen:

Das Allwetter-Portfolio

Das Allwetter-Portfolio wurde von Tony Robbins in seinem Buch MONEY – 7 einfache Schritte zur finanziellen Freiheit populär gemacht. Es handelt sich um eine vereinfachte Version des originalen Allwetter-Portfolios vom erfolgreichsten Fondsmanager aller Zeiten: Ray Dalio.

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In das Allwetter-Portfolio können Anleger auch über einen Vermögensverwalter investieren. Aktuell geht das in Deutschland nur über die Vermögensverwaltung der Kapilendo AG.

Für Einsteiger: Klassik 60/40-Musterportfolio

Das 60/40-Portfolio ist eine Allokationsmethode, die häufig als Ausgangsbasis für ein Einsteiger-Portfolio dient.

Das von Jack Bogle – dem Gründer vom Indexfondsanbieter Vanguard, der Pionierarbeit im Index-Investing leistete – begründete 60/40-Portfolio ist seit langem ein Grundnahrungsmittel für passive Anleger.

Andere Versionen variieren beim Prozentsatz der Gewichtung (50/50, 70/30, etc.).

Du kannst an den Beispielen sehr schnell die Unterschiede feststellen.

Das Allwetter-Portfolio ist mit der Vielzahl an Anlageklassen und mindestens fünf verschiedenen ETFs etwas komplizierter nachzubilden. Es streut jedoch die Risiken stärker als das 60/40-Portfolio.

Diese Portfoliostrategie hat zwar eine etwas höhere Renditeerwartung (+0,9% pro Jahr), dafür ist sie aber auch deutlich riskanter: Die Volatilität ist +6,1 % höher und der maximale Verlust hatte in der Vergangenheit einen doppelt so hohen Wert als das Allwetter-Portfolio.

Dafür ist das 60/40-Portfolio viel einfacher aufzubauen und zu pflegen.

Am Ende des Tages ist das optimale Portfolio eine subjektive Angelegenheit.

Falls du noch mehr Inspiration brauchst, dann findest du hier 70 verschiedene ETF-Portfolios.

Denk dran: es gibt gravierende Fehler, die dich viel Geld und Nerven kosten können. Die wichtigsten Fehler haben wir in unserem Artikel ETFs Tipps 2020 zusammengefasst. Schau gerne mal rein.

ETF-Portfolio aufbauen: Fazit

Es ist gar nicht so schwer, ein solides Wertpapier-Portfolio zu finden, das zu dir passt. Um die wesentlichen Eckpfeiler deines Portfolios zu setzen, solltest du jedoch die folgenden Fragen „ehrlich“ beantworten:

  • Was ist dein Anlageziel?
  • Wie groß ist dein Anlagehorizont?
  • Welches Risiko bist du bereit einzugehen?

Nun brauchst du nur die Anlagen so auszuwählen, dass du deine Anlageziele mit möglichst großer Wahrscheinlichkeit erreichen kannst.

Setze unbedingt auf ETFs. Sie sind kostengünstig, du kannst deine Geldanlage breit streuen und auch Studien zeigen, dass du mit ETFs langfristig (trotz Finanzkrisen) nicht schlechter, sondern sogar besser gestellt bist als aktive Investoren à la Warren Buffett.

Die häufigsten Fragen rund um ETFs

ETFs sind die kosteneffizienteste Art dein Geld breit zu streuen (Stichwort: Diversifikation). Ohne ETFs müsstest du in sehr viele Einzelaktien (d.h. hohe Kosten pro Order) investieren. Zudem zeigen Studien, dass es langfristig mehr Sinn macht, Märkten zu folgen, anstatt zu versuchen, sie zu schlagen (Passives Investieren). Das schaffen nur die wenigsten - und das mit einer großen Portion Glück.

Du findest eine Übersicht über die relevantesten ETF-Anbieter bei justetf.

Für den Kauf von ETFs musst du zunächst ein Depot eröffnen. Anschließend überweist du Geld von deinem Girokonto auf dein Verrechnungskonto. Im letzten Schritt wählst du deinen ETF aus, zahlst die Ordergebühren und bekommst ihn in deinem Depot eingebucht.

Diese Frage ist pauschal schwer zu beantworten und hängt ganz stark von deinen persönlichen Anlagezielen, deinem Anlagehorizont und deiner Risikotragfähigkeit ab. Wir empfehlen für den Anfang mindestens zwei ETFs (einmal einen für den globalen Aktienmarkt sowie einen auf Staatsanleihen als Sicherheitskomponente). Die Aufteilung ist abhängig von deinem individuellen Risikoprofil.

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