Magisches Dreieck der Geldanlage: Einfach erklärt (+ 11 Beispiele)

verfasst von
verfasst von

Carlos Link-Arad
Gründer von Beyond Saving

magisches-dreieck-der-geldanlage-hero
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on whatsapp

Die meisten Anleger schauen beim Thema Geldanlage nur auf die Rendite.

Damit begehen sie jedoch einen großen Fehler, der in den meisten Fällen bitter bestraft wird.

Denn je nach Anlageziel spielen die Punkte Sicherheit und Liquidität eine ebenso wichtige Rolle. Alle drei Ziele zusammengefasst ergeben das Magische Dreieck der Geldanlage – die Grundlage für alle Investments.

Für dich als Anleger stellt das Magische Dreieck eine gute Orientierung dar, um deine Anlageziele zu priorisieren.

Wie der folgende Artikel zeigt, können nicht alle drei Ziele mit einem Finanzprodukt erreicht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Magische Dreieck der Geldanlage?

Als Magisches Dreieck der Geldanlage wird eine Faustformel bezeichnet, die das Verhältnis der drei erstrebenswerten Faktoren „Rendite“, „Sicherheit“ und „Liquidität“ (Verfügbarkeit) bei Kapitalanlagen beschreibt.

Die Kernaussage des Magischen Dreiecks ist: Jede Kapitalanlage erfordert Kompromisse, denn es können nie alle Faktoren gleichzeitig realisiert werden.

Das Dreieck und seine Eckpunkte

In der Regel wird die Faustformel über ein Dreieck visualisiert. Seine Eckpunkte stellen jene Faktoren dar, die sich Anleger bei ihrer Geldanlage wünschen:

Der Faktor „Rendite“

Die „Rendite“ beschreibt das Verhältnis des jährlichen Ertrages in Bezug auf den Kapitaleinsatz.

Eine Rendite von 6% p.a. bedeutet beispielsweise, dass ein Anleger auf die Laufzeit hochgerechnet durchschnittlich 6% seines eingesetzten Kapitals pro Jahr als Ertrag erhält (bei 1.000 Euro also 60 Euro pro Jahr).

Sie kann durch Zins- oder Dividendenerträge, aber auch mögliche Wertsteigerungen eines Sachwerts oder Wertpapiers entstehen.

Bei einigen Anlagen ist die Rendite fest vereinbart (z.B. Anleihen), bei anderen schwankt sie aufgrund diverser Einflussfaktoren (z.B. Aktien).

Der Faktor „Sicherheit“

Die „Sicherheit“ einer Kapitalanlage bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger den investierten Betrag wieder zurückerhält.

In der Praxis tragen alle Geldanlagen Verlustrisiken.

Selbst Banken und Staaten können insolvent gehen, was uns gerade die Euro-Krise im Jahr 2010 gelehrt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verlusten oder gar Ausfällen kommt, variiert jedoch stark zwischen einzelnen Anlageformen.

Das Risiko einer Anlage lässt sich in zwei Komponenten einteilen: Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe.

Dass beispielsweise ein Aktienportfolio temporär an Wert verliert, ist wahrscheinlich. Deshalb gelten Aktien generell als riskante Anlageobjekte. Ist das Aktienportfolio hingegen breit gestreut, kommt es in der Regel nicht zum Totalverlust. Historisch betrachtet, haben sich Verluste innerhalb des Portfolios langfristig immer ausgeglichen.

Im Fall einer Krise des europäischen Bankensystems ist es theoretisch möglich, dass Anleger bzw. Sparer ihre Bankeinlagen im Zuge von Bankinsolvenzen komplett verlieren und die derzeitigen Einlagensicherungssysteme die Verluste nicht mehr kompensieren können.

Die potenzielle Schadenshöhe ist hoch, die Eintrittswahrscheinlichkeit ist jedoch  so gering, dass Tages- und Festgeld als sehr „sicher“ gelten.

Der Faktor „Liquidität“

Der Begriff „Liquidität“ bezeichnet die Verfügbarkeit der Kapitalanlage.

Wie lange müssen Anleger warten, um Zugriff auf ihre Einlage zu erhalten? Können sie diese gegebenenfalls bereits vor Laufzeitende veräußern und wenn ja, wie aufwändig ist das? Gibt es einen ausreichend großen Markt für die Veräußerung der Anlage oder muss der Verkäufer mit Abschlägen rechnen, weil es generell wenig Nachfrage nach der Anlageform gibt?

Je schneller, einfacher und bequemer eine Anlage aufgelöst oder veräußert werden kann, desto liquider ist sie.

Magisches Dreieck der Geldanlage: Der Konflikt der Faktoren

Die Faustregel hinter dem Dreieck besagt: Die drei Faktoren stehen bei der Geldanlage im Spannungsverhältnis zueinander. Wenn Anleger besonderen Wert auf einen Faktor legen, entfernen sie sich von den beiden anderen.

  • Geldanlagen mit hoher (d.h. täglicher) Verfügbarkeit bringen meist nur Renditen unter dem Inflationsniveau.
  • Angebote mit hohen Renditechancen tragen in der Regel das Risiko, dass die erwartete Rendite nicht erreicht wird oder sogar Verluste auftreten.
  • Wer die maximalen Renditechancen vieler Anlagen ausschöpfen möchte, muss teilweise bewusst auf einen kurzfristigen Zugriff verzichten. Aktien können zwar sehr schnell veräußert werden. Erfahrungsgemäß können Anleger jedoch höhere Gewinne erzielen, wenn sie „Schwächephasen“ an der Börse aussitzen und währenddessen nicht verkaufen.

Die Beziehung zwischen der Rendite und der Sicherheit einer Anlage ist besonders stark, denn eine hohe Rendite ist meist eine Prämie für das erhöhte Risiko, das der Anleger trägt (Achtung: der Umkehrschluss gilt nicht notwendigerweise – von einer geringen Rendite kannst du nicht automatisch eine höhere Sicherheit ableiten).

Was aber ist mit Produkten, die eine hohe Sicherheit, ständige Liquidität und erstklassige Renditen versprechen?

Die Geschichte hat wiederholt gezeigt: Solche Angebote sind mit Vorsicht zu genießen. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Risiken nicht ausreichend dargestellt werden. Lass dich nicht auf derartige Angebote ein, du kannst im Zweifel dein komplettes Kapital verlieren.

Beispiel: Container-Investments besitzen relativ kurze Laufzeiten, gute Renditen und wurden lange Zeit als „sichere Anlage“ beworben. Über Jahrzehnte funktionierten sie verlässlich, bis es nach der Finanzkrise zu Insolvenzen mehrerer Emissionshäuser kam, bei denen die Anleger signifikante Verluste hinnehmen mussten.

Welches Fazit können wir hieraus ziehen?

Eine Geldanlage erfordert immer Kompromisse. Ein Hilfsmittel, um konstruktiv mit dieser Beschränkung umzugehen, ist es, dir Anlageziele zu setzen. So kannst du relativ schnell erkennen, wo du dich innerhalb des Magischen Dreiecks der Geldanlage befindest und welche Anlageklassen zu deinem Profil passen.

Willst du auch deine Finanzen meistern und stressfrei Vermögen aufbauen?

Mit wertvollen Tipps & Tricks aus unserem Leben nehmen wir dich an die Hand und durchlaufen gemeinsam die Welt der Finanzen. Jeden Donnerstag um 18 Uhr in deinem Posteingang.

Beispiele & Einschätzung gängiger Anlageformen

Genug Theorie.

Lass uns anhand einiger Beispiele herausfinden, wie die unterschiedlichen Anlageklassen im Dreieck verteilt sind.

  • Hohe Sicherheit, hohe Liquidität, niedrige Rentabilität:
    Sparbücher ohne zeitliche Bindung und Tagesgeldkonten sind in der Regel durch eine Form der Einlagensicherung geschützt und weisen deshalb eine hohe Sicherheit auf. Zusätzlich sind sie täglich und damit schnell verfügbar, weisen also auch eine hohe Liquidität auf. Da das Vermögen der Bank für einen nicht feststehenden Zeitraum zur Verfügung steht, kann diese nur eingeschränkt damit wirtschaften und deshalb auch nur eine niedrige Rendite gewähren.
  • Hohe Sicherheit, niedrige Liquidität, hohe Rentabilität:
    Langfristige Anleihen und Sparverträge sind in der Regel ebenfalls durch einen Einlagensicherungsfonds gedeckt (hohe Sicherheit) und stehen der Bank im Gegensatz zu beispielsweise Tagesgeldkonten für einen längeren Zeitraum zur Verfügung (niedrige Liquidität). Dies ermöglicht der Bank wirtschaftliches Handeln in einem längerfristigen Zeitraum und sie kann auf das Vermögen höhere Renditen geben.
  • Niedrige Sicherheit, hohe Liquidität, hohe Rentabilität:
    Aktien oder Optionen können täglich gehandelt werden (hohe Liquidität) und können eine hohe Rentabilität aufweisen. Das Risiko von Kursschwankungen (Marktrisiko) oder das Risiko der Insolvenz des Wertpapierherausgebers (Emittentenrisiko) senken die Sicherheit dieser Geldanlagen aber deutlich.

Die folgende Tabelle enthält eine Einschätzung der gängigsten Anlageformen und ihrer Position im Magischen Dreieck.

Wichtig ist: Die Ausprägung der Faktoren variiert auch innerhalb einer Anlageform.

Beispielsweise haben Aktien in „exotischen“ Wachstumsbranchen (Biotechnologie, Cannabis-Industrie etc.) Chancen auf sehr hohe Gewinne, doch auch ein entsprechendes Risiko. Die Wahrscheinlichkeit, dass viele Unternehmen den hohen Erwartungen nicht gerecht werden, ist hoch.

Aktien großer Konzerne haben hingegen ein überschaubares Ausfallrisiko, jedoch auch ein geringes Wachstumspotenzial.

AnlageformRenditeSicherheitLiquidität
FestgeldGeringHochNiedrig - Mittel
TagesgeldSehr geringHochHoch
AktienHochMittelMittel - Hoch
UnternehmensanleihenGeringMittel - HochMittel - Niedrig
StaatsanleihenSehr Gering - MittelMittel - HochMittel - Niedrig
AnlageimmobilienMittelMittel - HochNiedrig
CrowdlendingMittel - HochNiedrig - MittelNiedrig - Mittel
Physisches GoldNiedrigMittel - HochMittel - Hoch
KryptowährungenSehr hochSehr NiedrigHoch
Sammlerobjekte (Oldtimer, Whiskey, etc.)Hoch - sehr hochSehr NiedrigNiedrig

Welche weiteren Faktoren spielen bei der Geldanlage eine Rolle?

Die drei Ziele des Magischen Dreiecks der Geldanlage sind aus unserer Sicht nicht vollständig.

Es kommen noch zwei weitere Faktoren hinzu, die in Verbindung mit dem Faktor Rendite stehen: Kosten und Steuern.

Kosten

Kosten entstehen z. B. in Form von Gebühren für das Girokonto oder für den Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren.

Hier lohnt sich der Vergleich zwischen mehreren Anbietern, um diese Kosten so weit es geht zu reduzieren.

Dies hat langfristig einen positiven Effekt auf deine Rendite, wobei Sicherheit und Liquidität unberührt bleiben.

Steuern

Auch Steuern haben einen Einfluss auf deine Rendite.

Während die Sicherheit weiterhin unberührt bleibt, können sich Steuern auf die Verfügbarkeit auswirken. So spielt es z. B. eine Rolle, ob eine Steuerzahlung früher oder später fällig wird.

Könntest du diese auf ein paar Jahre aufschieben, dann kann sich deine Anlage in dieser Zeit länger verzinsen. Vorsichtig solltest du sein, wenn das Thema Steueroptimierung als einziges Verkaufsargument bei einer Geldanlage angeführt wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Riester-Rente, die vom Staat gefördert wird und steuerliche Vorteile aufweist.

Viele Anleger übersehen jedoch, dass diese Geldanlage häufig mit enorm hohen Kosten verbunden ist.

Ein erheblicher Teil deiner monatlichen Beträge geht als Provision an den Finanzvermittler, wodurch die gesamte Rendite zunichtegemacht werden kann.

Lege dein Geld deshalb nicht in ein steuerlich optimiertes Finanzprodukt an, wenn gleichzeitig hohe Kosten entstehen.

Magisches Dreieck der Geldanlage: Die häufigsten Fragen

Das Magische Dreieck der Vermögensanlage (auch Magisches Dreieck der Geldanlage) bezeichnet die bei der Vermögensanlage untereinander konkurrierenden Ziele Rentabilität, Sicherheit und Liquidität. Die drei Ziele werden durch die Eckpunkte des Dreiecks symbolisiert.

Bei Sparbuch, Festgeld und Tagesgeld handelt es sich um sehr sichere Anlageformen, was sie zu einem zentralen Baustein jeder Geldanlage macht. Grund hierfür ist die gesetzliche Einlagensicherung. Im Falle einer Bankenpleite sind so 100.000 Euro pro Bank und Kunde geschützt.

Neben klassischen Bankprodukten wie Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld können Anleger ihr Geld auch in Wertpapiere wie Anleihen (festverzinsliche Schuldverschreibungen) oder Aktien (börsennotierte Unternehmensanteile), Fonds (z.B. Aktienfonds oder Immobilienfonds), aber auch Sachwerte wie Gold oder Immobilien anlegen.

  • Monatliche Sparrate: 50 Euro.
  • Angestrebte Laufzeit: 20 Jahre.
  • 8 % voraussichtliche Wertentwicklung pro Jahr.
  • Am Ende der Laufzeit steht ein Betrag von 29.650 Euro zur Verfügung.

Neben Immobilien wollen Anleger zunehmend auch in Edelmetalle ihr Geld anlegen. Der Grund: Vor allem Gold und Silber gelten als krisenfest und wertstabil, sodass es sich lohnen könnte, in diese Sachwerte zu investieren. In Bezug auf das Edelmetall Gold spielt dabei auch die historische Entwicklung eine Rolle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.