ETF-Portfolio Aufteilung: 5 Musterportfolios für Einsteiger

Carlos | Oktober 2020 | 5 Minuten

etf-portfolio-aufteilung-hero

Die richtige ETF-Portfolio Aufteilung zu finden klingt schwerer als es ist. Wir zeigen dir fünf geniale Musterdepots für den langfristigen Vermögensaufbau.

In Zeiten unsicherer Rentensysteme, hoher Inflationsraten und niedriger Zinsen auf Spareinlagen wird eine proaktive Geldanlage immer mehr zum Pflichtprogramm für die private Altersvorsorge.

Kostengünstige Indexfonds (sog. ETFs – „Exchange Traded Funds“) haben sich bis dato als ausgezeichnete Anlageinstrumente für Einsteiger und Profis bewährt.

Im Artikel zeigen wir dir deshalb fünf Musterportfolios (inkl. Performance), die sich für deinen langfristigen Vermögensaufbau eignen.

Das 70/30 Portfolio

Das 70/30 ETF-Portfolio ist eine der beliebtesten Einsteiger-Strategien. Das liegt daran, dass du hierfür lediglich 1-2 ETFs benötigst. 

Ein ETF auf den MSCI World und der andere auf den MSCI Emerging Markets – das war’s. Wer es noch einfacher möchte investiert einfach in den MSCI ACWI („All Countries World Index“) und profitiert mit einem ETF vom Wachstum der größten Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.

Warum ist dieses Portfolio besonders für Einsteiger geeignet? 

Der große Vorteil liegt in der leichten Pflege. Einmal aufgesetzt, müssen sich Anleger nicht weiter um ihr ETF-Portfolio kümmern – einfach einen Sparplan aufsetzen und entspannt zurücklehnen.

Industrieländer
0%
Schwellenländer
0%

Ob die Gewichtung exakt 70/30 sein muss, ist dir überlassen. Viele setzen auf eine 60/40 ETF-Portfolio Aufteilung, um stärker vom Wachstum der Unternehmen aus Schwellenländern zu profitieren.

Eine 60/40 Gewichtung würde näherungsweise entstehen, wenn du dich bei der Allokation am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) orientierst.

Wichtig zu wissen: Dieses Portfolio setzt ausschließlich auf Aktien. Dadurch ist das Risiko – trotz breiter Streuung – sehr groß.

Was sind der MSCI World und MSCI EM?

Der MSCI World ist ein globaler Aktienindex, der die Wertentwicklung von 1.607 (Stand: 30. September 2020) Unternehmen aus Industriestaaten abbildet. Er spiegelt ca. 85 Prozent der Marktkapitalisierung von Unternehmen aus Industrieländern wider. Die USA sind mit 66,50 Prozent prominent vertreten.

Der MSCI Emerging Markets (EM) hingegen trackt die Wertentwicklung von fast 1.385 (Stand: 31. Juli 2020) Unternehmen aus den wichtigsten Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Russland etc.) wider. Chinesische Unternehmen sind mit einem Anteil von 41 Prozent am meisten vetreten.

Das 60/40 Portfolio: Wachstum & Sicherheit

Aktien bergen zum Teil hohe Risiken. Aus dem Grund sollte man sein Portfolio breit diversifizieren. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften.

Aus dem Grund empfehlen viele Anlageexperten zu einer 60/40 Aufteilung des Portfolios in Aktien (60 Prozent) und in festverzinsliche Wertpapiere (40 Prozent) – also Anleihen.

Auch wenn die Renditen für Staatsanleihen an der Nulllinie kratzen, scheint dieses Portfolio-Modell noch Anklang bei Privatanlegern zu finden. 

Denn: in guten Zeiten steigen die Aktien und in schlechten Zeiten dämpfen die Anleihen Kursstürze ab. In Kombination bilden beide Anlageklassen ein gute Balance zwischen Sicherheit und Ertrag.

Aktien Welt
0%
Staatsanleihen
0%

Lohnt sich das Modell trotz der niedrigen Zinsen und den hohen Aktienbewertungen?

Das Modell wird stetig kritisiert. Hauptkritikpunkt sind die niedrigen Anleihenrenditen. Diese können aktuell keine Korrekturen an den Aktienmärkten kompensieren. Rein mathematisch betrachtet ist das korrekt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das hohe Zinsänderungsrisiko – je niedriger der Zinssatz, desto größer die Kursänderungen bei Zinsänderungen. Aus dem Grund wird häufig empfohlen zusätzlich zu Anleihen noch weitere Anlageklassen (Immobilien, Rohstoffe, Inflationsgeschütze Anleihen) mit in den Portfolio-Mix aufzunehmen.

Für Einsteiger ist das Modell dennoch in jedem Fall geeignet. Wichtig ist, dass man das Portfolio mit weiteren Anlageklassen nach und nach ausbaut, um das Ertrags-/Risiko-Profil zu verbessern.

Das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio

Ray Dalio hat zum Ende der 90er Jahre mit dem Allwetter-Ansatz das wahrscheinlich erfolgreichste Portfolio aller Zeiten entwickelt.

Das Ziel der Strategie: aktienähnliche Renditen mit nur einem Bruchteil des Risikos erzielen. Dass dies gelingt, zeigt ein Vergleich mit dem MSCI-World Index.

 

MSCI-World

Allwetter-Portfolio

Durch. Rendite (25 Jahre)

7 Prozent

6,8 Prozent

Max. Drawdown

-53,7 Prozent

-15 Prozent

Volatilität (25 Jahre)

39 Prozent

15 Prozent

Die eindrucksvolle Performance gelingt auf Basis einer einzigartigen Diversifikation. Diese ermöglicht es Anlegern bei jedem „Börsenwetter“ eine gute Performance zu erzielen.

US-Anleihen
0%
Aktien USA
0%
Aktien Europa
0%
Aktien Asien
0%
Schwellenländer
0%
Gold & Rohstoffe
0%

Was meint Ray Dalio mit dem Begriff „Allwetter“?

Ray Dalio geht davon aus, dass an den Finanzmärkten unterschiedliche Marktsituationen („Jahreszeiten“) existieren. Wir können nur ex-post bestimmen, in welchem Szenario wir uns befinden. Er unterscheidet die folgenden Marktphasen:

  • Inflation und Wirtschaftswachstum fallen höher aus als erwartet
  • Inflation und Wirtschaftswachstum fallen niedriger aus als erwartet
  • Inflation ist höher als erwartet und Wirtschaftswachstum niedriger
  • Inflation ist niedriger als erwartet und Wirtschaftswachstum höher

Je nach „Jahreszeit“ performen Anlageklassen unterschiedlich. Da niemand also genau weiß, welche Jahreszeit kommen wird, sollen Anleger 25 Prozent ihres Geldes auf die jeweilige Jahreszeit verteilen. Daraus entsteht die obige ETF-Portfolio Aufteilung.

Das Weltportfolio nach Gerd Kommer

Gerd Kommer ist einer der bekanntesten Vermögensverwalter im deutschsprachigem Raum.

Sein Konzept des Weltportfolios hat er in seinem Buch Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs sehr verständlich beschrieben.

Die Anlagephilosophie beruht auf einer ausgewogenen Diversifikation und eignet sich für Privatanleger jeden Alters. Kommer ergänzt das Portfolio im Vergleich zu vielen Standardmodellen um Rohstoffe und Immobilien. Das sorgt für mehr Stabilität in der Wertentwicklung.

Der einzige Nachteil an breit gestreuten Portfolios liegt einzig und allein auf der Kostenseite. Der Pflegeaufwand ist durch das Rebalancing deutlich höher. Aus unserer Sicht dominieren jedoch die Vorteile.

Schwellenländer
0%
Globale Nebenwerte
0%
Anleihen
0%
Standardwerte
0%
Rohstoffe
0%
Immobilien
0%

Das 35-25-30-10-Portfolio

Dieses Portfolio beugt der Problematik vor, dass US-Unternehmen im MSCI-World sehr stark gewichtet werden, während europäische Unternehmen unterrepräsentiert sind.

Das funktioniert, indem du den Weltindex einfach in Nordamerika, Schwellenländer, Europa und Pazifik aufteilst und individuell gewichtest. Die nachfolgende Gewichtung haben wir entsprechend der BIPs gewählt. 

USA
0%
Europa
0%
Schwellenländer
0%
Pazifik
0%

Wichtig ist, dass du auch bei diesem Portfolio regelmäßig ein Rebalancing durchführst, um deiner Zielgewichtung treu zu bleiben. Es genügt, wenn du das einmal im Jahr machst, um Transaktionskosten zu sparen. 

Passt dein ETF-Portfolio zu deinen Zielen?

Bevor du mit dem Aufbau deines ETF-Portfolios startest, solltest du prüfen, ob das Modell, das du gewählt hast, mit deinem persönlichen Risikoprofil im Einklang steht.

Für risikoaverse Privatanleger eignen sich Strategien mit einer ausgewogenen Diversifikation, während risikofreudige Anleger auch hohe Aktienquoten aushalten.

Sei in jedem fall ehrlich zu dir. Eine Entscheidung für die falsche Strategie kann dazu führen, dass du teure Fehler begehst. Lies dir in jedem Fall unseren Ratgeber zu den sieben wichtigsten ETF-Tipps für 2020 durch.

Was kommt vor dem Investieren?

Bevor du überhaupt nur einen Cent investierst, solltest du dir einen Notgroschen aufbauen. Dieser sichert dich und deine Familie in schlechten Zeiten finanziell ab.

Das Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto, um kurzfristige Verlustrisiken zu eliminieren. Dass du aktuell keinen Inflationsschutz mit diesem Geld hast, darfst du beruhigt in Kauf nehmen.

Der große Vorteil liegt in diesem Fall in der Planbarkeit und schnellen Liquidität.

Breite Diversifikation und langer Anlagehorizont

Eine breite Streuung und ein langfristiger Anlagehorizont sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Geldanlage.

Das zeigen Studien und auch eigene Untersuchungen, die wir durchgeführt haben. Stock-Picking und Market-Timing bringen im seltensten Fall bessere Ergebnisse als rein passive Anlagestrategien.

Wer breit streut, vermeidet Klumpenrisiken und reduziert durch die niedrigere Schwankungsintensität die Gefahr vor impulsiven Kurzschlussreaktionen. Solche psychologischen Fallstricke kosten Privatanleger jährlich Milliarden an Euro.

Denk also dran:

  • Sorge für eine hohe Diversifikation (Anlageklassen, Branchen, Regionen etc.)
  • Bleibe langfristig im Markt (mind. 15 Jahre)
  • Bleibe deiner Anlagestrategie treu (passives Management)
  • Passe einmal im Jahr die Gewichtung deines ETF-Portfolios an

Folgst du diesen Regeln, wirst du mit einer hohen Wahrscheinlichkeit solide Ergebnisse erzielen.

Für jede Anlageklasse ein passender ETF

Es gibt mittlerweile über 6.000 verwaltete ETFs auf der ganzen Welt. Sich in diesem Markt zu orientieren kann für Privatanleger zur Herausforderung werden.

Wir haben nach passenden ETFs für die relevantesten Anlageklassen gesucht und in der folgenden Übersicht für euch zusammengefasst:

Wo findet man passende ETFs?

Es gibt zahlreiche Plattformen, welche dir die Suche nach passenden ETFs erleichtern.

Wir nutzen für unsere private Geldanlage die ETF-Suche von extraETF. Durch die umfangreiche Filterfunktion kannst du die Suche sehr stark an deine Bedürfnisse ausrichten.

etf-portfolio-aufteilung-suche
ETF-Suchfunktion bei extraETF (Stand: 08.10.2020)

ETF-Portfolio Aufteilung - FAQ

Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl von ETFs sind folgende:

  • TER ("Total Expense Ratio"): Sie steht für die Gesamtkosten des ETFs - je niedriger, desto besser.
  • Fondsvolumen: Je höher das Volumen, desto niedriger das Risiko einer Schließung des ETFs. Werte ab 100 Millionen Euro deuten auf ein solides Investment hin.
  • Tracking Difference (TD): sie zeigt - unter Berücksichtigung aller Kosten - wie stark die Wertentwicklung des Referenzindizes von der des ETFs abweicht. Im Normallfall ist diese positiv, da der ETF Kosten verursacht. Ist die TD hingegen negativ, deutet es darauf hin, dass der ETF eine bessere Performance hat. Je niedriger die TD, desto besser.
  • Sparplanfähigkeit: Sparpläne sorgen für die notwendige Disziplin beim Investieren - wähle ETFs, die sparplanfähig sind.

Das klingt aufgrund der niedrigen Anleihenrenditen und des erhöhten Zinsänderungsrisikos paradox, aber Anleihen bleiben ein wichtiger Bestandteil für eine ausgewogene Geldanlage. Sie sorgen für eine gute Balance zwischen Ertrag und Sicherheit.

Mit ETFs kannst du mit einem Kauf bereits einen großen Grad an Diversifikation erzielen. Bei Aktien musst du dafür zahlreiche Käufe tätigen, die sich mehr für deinen Broker als für dich lohnen. Wer jedoch Einzelaktien kaufen will, sollte dies in einem kleinen Maße (max. 10 Prozent des Portfoliowertes) auch tun.

Für die Rendite spricht laut eigenen Berechnungen und zahlreicher Studien eine Einmalanlage. Der sogenannte Cost-Average-Effekt (CAE) sorgt nicht nachweislich für einen Renditeschub. Er verursacht jedoch einen Disziplinierungseffekt bei Privatanlegern, weshalb ETF-Sparpläne immer beliebter werden. Im Endeffekt sind die Unterschiede marginal - entscheide dich für die Variante, mit der du dich wohler fühlst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folge uns auf Social Media